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| Dracula, König der Vampire | Dracula | Dracula, König der Vampire | ||
| Gruselserie (1981) |
GRUSEL (1987) |
Gruselserie (1999) | ||
| Seite 1 | Seite 2 |
Seite 1 des Hörspiels
| (Musik: 'Gruselserien-Titelthema (Rückkehr der Klassiker)'.) | |
| (Musik: 'Frankenstein & Dracula, Teil 1' | 'Surprise Attack'.) | |
| Harker (Erzähler): | Aus geschäftlichen Gründen suchte ich, Jonathan Harker, den Grafen Dracula in Transsylvanien auf. Der Graf wollte sich in London mehrere Grundstücke kaufen, und dazu benötigte er die Hilfe eines Anwalts. Da sich die Verhandlungen wahrscheinlich einige Wochen hinziehen würden, und ich meine Verlobte Mina nicht so lange allein lassen wollte, begleitete sie mich. |
| (Im Inneren der fahrenden Kutsche.) | |
| Spät am Abend ging es in einer Postkutsche auf die letzte Etappe dieser Reise. Bei uns in der Kutsche waren noch drei weitere Fahrgäste. | |
| 1. Fahrgast: | Sie sind sicherlich der Engländer. Der Wirt vom Hotel 'Goldene Krone' hat mir von Ihnen erzählt und Ihrer Frau - |
| Harker: | Ja, ich bin Jonathan Harker aus London, und das ist meine Verlobte Mina. |
| 1. Fahrgast: | (lächelt) Ich habe nämlich einen Brief für Sie. Hier, der Wirt hat ihn mir gegeben, damit ich ihn an Sie weiterreichen kann. Bitteschön! |
| Harker: | Danke! Ich denke, ich weiß schon, von wem er ist ... (öffnet den Brief) |
| Mina: | Nun, Jonathan, was schreibt er? |
| (Während Harker liest, heulen ab und an Wölfe.) | |
| Harker: | (liest) Mein Freund, willkommen in den Karpaten. Ich erwarte Sie mit Ungeduld. Am Borgo-Paß wird mein Wagen Sie abholen und zu mir bringen. Ich hoffe, daß Sie eine gute Reise von London bis hierher hatten, und daß Sie sich Ihres Aufenthaltes in meiner herrlichen Heimat freuen mögen. Ihr Freund, Dracula. |
| 2. Fahrgast: | Graf Dracula? Sie wollen zum Grafen Dracula? |
| Harker: | Allerdings, das wollen wir. |
| (Ein Käuzchen ruft hin und wieder.) | |
| Mina: | Das müssen wir. |
| 2. Fahrgast: | Ja, dann ... |
| 1. Fahrgast: | Wissen Sie denn nicht, welchen Tag wir heute haben? |
| Mina: | Den 4. Mai 1897! |
| 1. Fahrgast: | Oh ja, ich weiß. Aber ... wissen Sie denn nicht, was heute für ein Tag ist? |
| Mina: | Nein, wieso? |
| 1. Fahrgast: | Es ist Georgsnacht! Wenn die Uhr Mitternacht schlägt, dann werden alle bösen Dinge in der Welt freien Lauf haben. Ist Ihnen denn klar, wohin Sie gehen? Und zu wem Sie gehen ...? |
| Harker: | Ich habe geschäftlich mit dem Grafen Dracula zu tun, ich muß zu ihm. |
| 1. Fahrgast: | Ja, wenn das so ist, dann bitte ... Bitte nehmen Sie wenigstens dieses Kruzifix hier. (Sie kramt es hervor.) Es wird Sie beschützen. |
| Harker: | Aber ich kann doch nicht - |
| 1. Fahrgast: | Bitte, bitte, nehmen Sie es, bitte ... um Ihrer Mutter willen. Ich werde Ihnen noch andere Dinge mit auf den Weg geben, die Ihnen helfen werden. |
| 2. Fahrgast: | Ja, hier, ich ... ich habe Knoblauch. Nehmen Sie nur. Wir sind gleich am Paß, dann ... dann ist es zu spät für Sie ...! |
| Mina: | Danke, vielen Dank. Aber wir benötigen diese Dinge nicht. Wir sind nicht abergläubig. |
| (Die Kutsche hält, die Tür springt auf. Heulender Wind. Wölfe heulen. Gelegentlich rufen ein Käuzchen und ein Singvogel.) | |
| 2. Fahrgast: | Wir sind da. Gott stehe Ihnen bei. |
| 1. Fahrgast: | Der Kutscher kommt schon. |
| Kutscher: | Hier müssen Sie aussteigen. |
| Harker: | Danke. Komm, Mina. |
| Mina: | Ja. |
| (Schritte auf Kies.) | |
| 2. Fahrgast: | Überlegen Sie es sich noch einmal. Es ist besser für Sie, wenn Sie mit uns weiterfahren und alles vergessen. |
| Harker: | Ich weiß, Sie meinen es gut, danke, aber ... wir werden unseren Entschluß nicht ändern. Gute Fahrt! |
| Kutscher: | (räuspert sich) |
| Mina: | Ähm ... die andere Kutsche ist noch nicht da? |
| Kutscher: | Von mir aus brauchte sie nicht zu kommen. |
| Mina: | Da! Hör doch! |
| (In der Ferne grollen die Räder einer Kutsche.) | |
| Kutscher: | Ja, sie kommt. Oh, mein Gott! Überlegen Sie es sich! Steigen Sie wieder ein, schnell! Wir fahren weiter. |
| Harker: | Sie warten, bis sicher ist, daß es auch die richtige Kutsche ist, die da kommt. |
| Kutscher: | Mein Gott. In dieser Nacht kann nur er es sein. Da ist sie ja schon. |
| (Die Kutsche rast heran, anfeuernde Rufe des Kutschers [aus der Konserve]. Ein Pferd wiehert, die Kutsche hält.) | |
| Dracula: | Du bist früh dran, mein Freund. |
| Kutscher: | Äh ... der englische Herr hatte es eilig. |
| Dracula: | Weil du ihn vermutlich nach der Bukowina fahren wolltest. Aber mich kannst du nicht täuschen, und meine Pferde sind zu schnell. So! Und nun gib mir das Gepäck des Herrn und das der Dame! |
| Kutscher: | Sofort, sofort ...! |
| (Schritte.) | |
| Hier ist es schon! | |
| Dracula: | In meine Kutsche damit. |
| Kutscher: | Ja, Herr! |
| Dracula: | Steigen Sie ein, Herr Harker. Sie sind in Begleitung? |
| Harker: | So ist es. |
| Dracula: | Die Nacht ist kalt, und der Graf hat mir aufgetragen, besonders auf Sie achtzugeben. In der Kutsche liegt eine Flasche Slibowitz, trinken Sie davon. Es wird Sie durchwärmen. |
| Harker: | Danke. Komm, Mina, wir steigen ein. |
| Mina: | Ja. |
| (Sie steigen ein. Die Kutsche fährt an, anfeuernde Rufe des Kutschers [aus der Konserve], ab und an schnalzt eine Peitsche. Draußen heulen immer mehr Wölfe.) | |
| Ein unheimlicher Mann, dieser Kutscher. Ich konnte sein Gesicht nicht sehen. Es lag immer im Schatten seines Hutes. | |
| Harker: | Was geht uns dieser Kutscher an? |
| Mina: | Wie spät ist es? |
| Harker: | Kurz nach Mitternacht. Du meine Güte, fährt der Kerl schnell! |
| Mina: | Sag ihm doch, er soll langsamer fahren. |
| Harker: | Das hört er doch nicht. Ach was, er wird schon wissen, was er tut. |
| Mina: | Hörst du die Wölfe? |
| Harker: | Ja ... aber mach dir keine Sorgen. In der Kutsche sind wir sicher. |
| Mina: | Sieh doch, sie laufen hinter uns her! |
| Harker: | Ich habe gehört, daß so was hier in dieser Gegend öfter vorkommt, das hat nichts zu bedeuten. |
| Mina: | Jetzt sind auch neben uns welche! Es geht bergauf. |
| Harker: | Sicherlich sind wir gleich da. |
| (Die Kutsche hält. Die Wölfe heulen und knurren.) | |
| Mina: | Warum halten wir? |
| Harker: | Ich weiß nicht, Mina. |
| Mina: | Jonathan, sieh doch: der Kutscher steigt ab. Die Wölfe weichen vor ihm zurück. |
| Harker: | Ich habe nichts gesehen. |
| Mina: | Aber ich! Eben, im Mondlicht habe ich es genau erkannt. Hör doch, die Wölfe werden leiser. Sie ziehen sich zurück! |
| Harker: | Der Kutscher steigt wieder auf. |
| (Die Peitsche schnalzt, die Pferde rasen los. Die Wölfe bleiben zurück.) | |
| Es ist also wahr. Er hat die Wölfe vertrieben. | |
| Mina: | Ohne einen einzigen Schuß. Aber so etwas ist doch unmöglich. |
| Harker: | Es ist zumindest seltsam. Ich dachte nicht, daß es so etwas gibt. |
| Mina: | Da, der Mond bricht wieder durch. Siehst du, Jonathan? Da ist das Schloß. |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: 'Christopher's Palace'.) | |
| Harker: | Hm, bei diesem Licht macht es einen reichlich düsteren Eindruck. (lacht auf) Morgen früh ist alles anders. |
| Mina: | Ich glaube auch. Dann haben wir ausgeschlafen. Und die Welt sieht wieder freundlicher aus. |
| (Musik: 'Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 1)', verlangsamt, vermengt mit 'Lurking Creatures, No. 1' und 'Christopher's Palace' (ohne Pause zwischen Mina und Harkers Erzählertext). Die Geräusche setzen sich fort, während Harker erzählt.) | |
| Harker (Erzähler): | Aber noch war es nicht soweit, denn die Kutsche entfernte sich auf dem gewundenen Pfad wieder von dem Schloß, und wir mußten noch eine geraume Weile warten, bis wir endlich vor dem Schloßtor hielten. Und wieder geschah etwas Seltsames. |
| (Wölfe heulen. Ein Käuzchen ruft.) | |
| Harker: | Komm, Mina, wir steigen aus. |
| Mina: | Ja. |
| Harker: | So ... |
| (Ein Pferd wiehert. Jonathan und Mina verlassen die Kutsche.) | |
| Harker: | Ja ... |
| Mina: | Danke. Es ist kalt. |
| Harker: | (nickt) |
| (Die Peitsche knallt, der Kutscher [aus der Konserve] feuert die Pferde an, die Kutsche entfernt sich.) | |
| He, he, Kutscher, wohin? | |
| Mina: | Er fährt einfach weg. Ohne sich um uns zu kümmern! Unhöflicher Kerl! |
| Harker: | (atmet aus; während er spricht, klopft Harker zweimal an das Tor) Wir klopfen. Irgend jemand wird uns schon aufmachen. Schließlich werden wir erwartet. |
| (Wolfsgeheul. Ein Schlag gegen das Tor. Drei Schläge gegen das Tor.) | |
| Mina: | Als ob man uns vergessen hätte! |
| Harker: | Das hat man nicht, keine Sorge. |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: 'Frankenstein & Dracula, Teil 2, langsame Variante (Bass-Abmischung)', vermengt mit 'Dracula's Drawbridge'.) | |
| Mina: | Ah, da kommt jemand. |
| Harker: | Na ja, Zeit wird's ja auch. |
| (Eine schwere, in den Angeln quietschende Tür wird aufgeschlossen und geöffnet. Schritte auf Kies.) | |
| Dracula: | Willkommen in meinem Haus. Kommen Sie herein! |
| Harker: | Graf Dracula? |
| Dracula: | Ich begrüße Sie, Herr Harker! |
| Harker: | Das ist meine Verlobte Mina. |
| Mina: | Guten Abend. |
| Dracula: | Auch Sie sind mir willkommen. Kommen Sie herein. |
| (Die Tür wird ins Schloß geworfen. Schritte auf Kies.) | |
| Dracula: | Seien Sie meine Gäste. Bitte, geben Sie mir Ihre Koffer! |
| Harker: | Aber nicht doch, Herr Graf, das kann ich doch machen. |
| Dracula: | Es ist mir eine Freude, bitte. Kommen Sie. |
| (Schritte auf Kies.) | |
| (Musik: 'Frankenstein & Dracula, Teil 2, langsame Variante (Bass-Abmischung)', darin 'Orgelmusik aus »Dracula«, Nr. 02: Eine eindringliche Warnung', vermengt mit 'Dracula's Drawbridge'.) | |
| Harker (Erzähler): | Er trug tatsächlich unsere Koffer über den Schloßhof bis in unsere Zimmer, die im ersten Stockwerk lagen und beide hergerichtet waren, obwohl er doch nicht hatte wissen können, daß ich nicht allein kommen würde. Danach trafen wir uns zu einem Essen im Salon. Das Souper war bereits angerichtet; Graf Dracula stand am Kamin und bat uns Platz zu nehmen. |
| (Im Kamin prasselt ein Feuer. In der Ferne heulen Wölfe.) | |
| Dracula: | Bitte, bedienen Sie sich. |
| (Schritte auf Stein.) | |
| Und verzeihen Sie, daß ich nicht ebenfalls esse, aber es ist schon spät, und ich habe bereits diniert. | |
| Harker: | Danke. Ich muß zugeben, daß ich hungrig bin. |
| Mina: | Und ich kann auch einen Bissen vertragen. Danke! |
| Harker: | (Papier raschelt.) Hier ist der Brief von Herrn Hawkins, für den ich arbeite. Bitte! Herr Hawkins ist erkrankt, er konnte leider nicht selbst kommen. |
| Dracula: | Wenn er schreibt, daß ich Ihnen vertrauen kann ... dann ist es mir recht, daß Sie ihn vertreten. |
| Harker: | Sie werden zufrieden mit mir sein. |
| Dracula: | Das hoffe ich. Junges Blut ist mir auch viel lieber. (lauscht) Hören Sie? Die Kinder der Nacht? Was für eine Musik sie machen? |
| Mina: | Die Wölfe? |
| Dracula: | Tja, die meine ich. Nun, Sie als Stadtbewohner haben wohl nicht das Ohr dafür. |
| Mina: | Nein, vielleicht nicht. |
| Dracula: | Sie werden müde sein, schlafen Sie sich ruhig aus. Ich habe bis zum Abend auswärts zu tun. |
| Harker: | Wir sehen uns also erst am kommenden Abend wieder? |
| Dracula: | Ganz recht. Es läßt sich nicht ändern. Schlafen Sie gut. |
| Mina: | Danke. Gute Nacht! |
| (Schritte auf Stein.) | |
| Dracula: | Gute Nacht! |
| (Tür öffnet und schließt sich.) | |
| Mina: | Welch ein höflicher Mann. |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: 'Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 1)', verlangsamt Dracula's Drawbridge.) | |
| Harker: | Ja, höflich ist dieser Graf Dracula, aber er ist mir dennoch unheimlich. |
| Mina: | Unheimlich ... |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: 'Countdown, Nr. 1' verdrängt 'Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 1)'.) | |
| Ja, das ist er mir auch. Er hat so eigenartige Augen. Und was für Zähne er hat! Ich habe noch keinen Menschen mit so langen Eckzähnen gesehen. Manchmal sieht er aus wie ein Wolf. | |
| (Musik: 'Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 1)', verlangsamt 'Countdown, Nr. 1' 'Dracula's Drawbridge'.) | |
| Harker (Erzähler): | Wir fanden ein angerichtetes Essen vor, als wir am späten Nachmitag ausgeschlafen hatten. Graf Dracula erschien erst, als es schon dunkel geworden war, um mit uns zu plaudern. Ebenso war es an den darauffolgenden Tagen: Der Graf ließ sich am Tage nicht blicken, weil er - wie er vorgab - auswärts geschäftlich zu tun hatte. Eines Tages trat er von hinten an mich heran, als ich mich rasierte. |
| (Ein Rasiermesser schabt.) | |
| Mein Taschenspiegel hing am Fenster und ... ich hätte das Spiegelbild des Grafen darin sehen müssen. Doch wenn ich dem Spiegel glauben wollte, dann ... dann war ich allein im Zimmer. | |
| (Vogelgezwitscher und Wind im Hintergrund.) | |
| Dracula: | Guten Abend, lieber Freund! |
| Harker: | Oh, Graf Dracula. Ich habe Sie nicht gehört. |
| (Schritte auf Stein.) | |
| Dracula: | Nehmen Sie sich in acht, daß Sie sich nicht schneiden. In diesem Lande ist so etwas gefährlicher, als Sie glauben. |
| Harker: | Ich rasiere mich nicht zum ersten Mal. |
| Dracula: | Und dieses verfluchte Ding ist schuld daran. Der Spiegel ist ein Werkzeug menschlicher Eitelkeit. Weg damit! |
| (Schritte auf Stein. Im Hintergrund zersplittert Glas.) | |
| Harker: | Sie - Sie werfen meinen Spiegel aus dem Fenster? |
| Dracula: | Sie brauchen keinen Spiegel, mein Freund. Und ich hasse solch widerwärtige Dinge. Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, daß es in diesem Schloß nicht einen einzigen Spiegel gibt? |
| Harker: | Allerdings. |
| Dracula: | Nun gut, wir treffen uns gleich zum Essen, und dann können wir noch etwas plaudern. Ich muß mehr über London wissen. Sie müssen mir vor allem helfen, die Sprache besser zu lernen. |
| (Tür wird geöffnet. Schritte auf Stein.) | |
| Harker: | Es wird mir ein Vergnügen sein. |
| Dracula: | Bis dann, mein Freund. |
| (Tür wird geschlossen. Musik setzt im Hintergrund ein: 'Dracula's Drawbridge'.) | |
| Harker: | (atmet aus) Seltsam, dieser Graf Dracula. Irgend etwas stimmt nicht mit ihm. |
| (Klopfen.) | |
| Ja? | |
| (Nochmaliges Klopfen.) | |
| Mina: | (von draußen) Ich bin's, Mina. Darf ich hereinkommen? |
| Harker: | Aber ja doch, Mina, bitte! Ich dachte, du schläfst noch. |
| (Tür wird geöffnet und geschlossen. Schritte auf Stein.) | |
| Mina: | Ich bin schon lange wach. Der Graf war bei dir, nicht? |
| Harker: | Ja. Stell dir vor, er hat meinen Spiegel genommen und aus dem Fenster geworfen. Und ich glaube, ich weiß auch, warum er das getan hat. |
| Mina: | Ja? Warum? |
| Harker: | Es hört sich seltsam an, aber ... es ist wahr, ich schwöre es dir: er hat kein Spiegelbild. Er stand genau hinter mir, und ich ... ja, ich hätte ihn im Spiegel sehen müssen, aber ich habe ihn nicht gesehen. |
| Mina: | (atmet aus) Das ist allerdings eigenartig. Es ist unheimlich. Mir ist übrigens auch etwas aufgefallen. |
| Harker: | Dir auch? Was denn? |
| Mina: | Ich wußte, daß der Graf bei dir war, und da bin ich in den Südflügel des Schlosses gegangen. |
| Harker: | Aber der ist doch verschlossen. |
| Mina: | Nein, heute nicht. Der Graf hat die Tür dorthin offen gelassen. |
| Harker: | Und? |
| Mina: | Dort ist alles verstaubt, als ob seit Jahrzehnten niemand mehr da gewesen wäre. Aber was noch viel schlimmer ist: hinter dem Schloß fallen die Berge steil ab. |
| Harker: | Du meinst, im Süden kann man das Schloß nicht verlassen. |
| Mina: | Nein. Unmöglich! Das Schloß steht auf einer Felsspitze. Wer ins Tal will, muß durch das Tor gehen. |
| Harker: | Und das ist verriegelt und verrammelt. |
| Mina: | Weißt du, was das bedeutet? |
| Harker: | Ich wage es kaum auszusprechen. |
| Mina: | Wir sind Gefangene. |
| Harker: | Komm, wir müssen sofort mit dem Grafen reden. |
| Mina: | Oh nein, das wäre unklug. Wenn er uns gefangen hält, dann weiß er auch, warum er das tut. |
| Harker: | Ja, du hast recht. Es wäre sinnlos, bei ihm dagegen zu protestieren. Wir warten, bis er morgen wieder weg ist, und dann versuchen wir etwas zu unternehmen. |
| (Schritte auf Stein.) | |
| Mina: | Das halte ich für wesentlich besser. |
| Harker: | Gut. - Äh, komm jetzt, Mina, er wartet schon auf uns. |
| Mina: | Ja. |
| (Im Flur.) | |
| Ich habe gar keinen Hunger. | |
| (Tür wird geschlossen. Schritte auf Stein.) | |
| Harker: | Dennoch dürfen wir ihn nicht warten lassen. Laß dir nichts anmerken. |
| Mina: | Ich werde mich hüten. |
| Harker: | So. Da wären wir. |
| (Tür wird geöffnet. Im Kamin prasselt ein Feuer.) | |
| Mina: | Herr Graf! |
| Dracula: | Bitte ... setzen Sie sich. |
| (Tür wird geschlossen. Papier raschelt.) | |
| Ich habe gerade einen Brief bekommen ... ich muß fort. | |
| Harker: | Wie bedauerlich. Wir kommen mit unseren geschäftlichen Verhandlungen nicht weiter. |
| Dracula: | Ja, ich weiß, dennoch muß es sein. |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: ''Dracula's Drawbridge''.) | |
| Diese Dinge sind wichtig für mich. Sie werden alles finden, was Sie brauchen. | |
| Mina: | Danke. |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: 'Miles Smiles Ahead', verlangsamt, fast vollständig übertönt von ''Dracula's Drawbridge'' und 'Christopher's Palace'.) | |
| Dracula: | Ach ja, bevor ich es vergesse: Ich möchte Ihnen dringend empfehlen, nicht in einem anderen Teil des Schlosses zu schlafen, sondern nur in Ihren Zimmern. |
| Harker: | Das haben wir auch nicht vor. |
| Dracula: | Dieses Schloß ist alt, und wer unvorsichtig zur Ruhe geht, wird schlechte Träume haben. Also, beachten Sie meine Warnung! |
| (Musik: In 'Miles smiles ahead' mischt sich 'Orgelmusik aus »Dracula«, Nr. 01: Titelmelodie'. 'Dracula's Drawbridge'.) | |
| Harker (Erzähler): | Am späten Abend, als ich schon zur Ruhe gehen wollte, kam Mina zu mir. Ihre Stimme bebte vor Erregung. |
| (Tür öffnet sich. Schnelle Schritte.) | |
| Mina: | Jonathan! Schnell, komm! |
| Harker: | Mina, was ist denn los? |
| Mina: | Schnell, komm doch! |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: 'To The Other Side'.) | |
| Wenn wir uns nicht beeilen, ist es zu spät! | |
| Harker: | Zu spät? Aber wofür? |
| (Schnelle Schritte. Tür wird geöffnet. In der Ferne heulen Wölfe.) | |
| (Musik im Hintergrund: 'Total Eclipse (Atmo)'.) | |
| Mina: | Hier, von diesem Zimmer aus kann man ihn sehen. Dort, von dem Fenster aus. |
| Harker: | Ja, wen kann man sehen? |
| Mina: | Den Grafen. Sieh doch, da ist er. Er klettert an der Felswand hinunter. |
| Harker: | Das ist ja ... unglaublich! Wie kann ein Mensch an dieser Wand hinunterklettern? Sie fällt senkrecht ab. |
| Mina: | Wie eine Eidechse. Jetzt verschwindet er im Dunkel. |
| Harker: | Das ist eine günstige Gelegenheit. Mina, komm, wir sehen uns im Schloß um. |
| Mina: | (nickt) |
| Harker: | Ich bin überzeugt davon, daß es hier einige sehr interessante Dinge zu sehen gibt. |
| (Schritte.) | |
| (Musik: 'Miles Smiles Ahead' wird verdrängt durch 'Hitman, Nr. ?', wiederum verdeckt von 'To The Other Side'.) | |
| Harker (Erzähler): | Wir streiften durch das Schloß, fanden aber die meisten Türen verschlossen vor. Schließlich aber betraten wir ein Zimmer, in dem schon seit Jahren niemand mehr gewesen zu sein schien. Staub wirbelte unter unseren Füßen auf, und plötzlich vernahmen wir Stimmen. |
| (Schritte auf Holz. Stimmen nähern sich.) | |
| Mina: | Jonathan! Jemand kommt. |
| (Schritte auf Holz.) | |
| Harker: | Schnell! In den Schrank dort! |
| Mina: | Und du? Hier ist zuwenig Platz für uns beide. |
| Harker: | Ja, ich ... ich lege mich aufs Sofa und tue so, als ob ich schlafe. |
| Mina: | Gut, mach die Tür zu. |
| (Schranktür wird geschlossen. Gelächter der drei eintretenden Vampirbräute.) | |
| 1. Vampirbraut: | Da ... seht doch, ein Mann! |
| 2. Vampirbraut: | Ochh! Er schläft ...! |
| 3. Vampirbraut: | Ein herrlicher blutvoller Mann! |
| 2. Vampirbraut: | Ohh! |
| 3. Vampirbraut: | Warum hat Dracula uns nichts von ihm erzählt? |
| 1. Vampirbraut: | Er will ihn für sich allein haben, der Schuft! |
| 2. Vampirbraut: | Nein, das lasse ich nicht zu! Ach, ich werde diesen Mann küssen! Och, seine Kehle gehört mir! |
| 1. Vampirbraut: | Nein, mir! |
| 3. Vampirbraut: | Oder mir! Glaubt ihr, ich verzichte? |
| 2. Vampirbraut: | Nein, ich zuerst! Ich muß ihn küssen! Och, laßt mich! ... Jetzt. Och, seine Haut ist so warm! Ich ... |
| (Musik setzt im Hintergrund ein: 'Dracula's Drawbridge'.) | |
| Dracula: | Zurück! |
| 2. Vampirbraut: | Ich ... |
| Dracula: | Zurück, sage ich! Sofort! |
| Alle Vampirbräute: | Ahh! Dracula! |
| Dracula: | Wie könnt ihr es wagen, ihn anzurühren? Zurück! |
| 2. Vampirbraut: | Och ... |
| Dracula: | Der Mann gehört mir. |
| 2. Vampirbraut: | Och ... |
| Alle Vampirbräute: | Und wir? |
| Dracula: | Ich verspreche euch, daß ihr euch mit ihm befassen dürft, wenn ich genug von ihm habe. |
| 1. Vampirbraut: | Und heute ... |
| 2. Vampirbraut: | Und was sollen wir machen? |
| 1. Vampirbraut: | ... sollen wir leer ausgehen? |
| Dracula: | Nein. Hier, nehmt! |
| (Schritte. Leises Knurren eines Säuglings.) | |
| 3. Vampirbraut: | Oh, du hast an uns gedacht!? |
| 2. Vampirbraut: | Du hast an uns gedacht! |
| Dracula: | Natürlich! Und jetzt verschwindet! Schnell! |
| (Die drei Vampirbräute kichern und entfernen sich. Schritte. Die Schranktür wird geöffnet.) | |
| Harker: | Mina? |
| Mina: | Mein Gott ... Jonathan, was war das? |
| Harker: | Ich weiß nicht. Da waren drei Frauen ... Eine von denen wollte mich küssen, aber Graf Dracula hat sie zurückgerissen. |
| Mina: | Küssen? Ich habe es gesehen, die Schranktür war nicht ganz zu: sie wollte dich beißen! |
| Harker: | Du wirst dich getäuscht haben, Mina. |
| Mina: | Ich habe noch etwas gehört. So ein Wimmern ... |
| Harker: | Graf Dracula hat diesen Frauen ein Bündel gegeben, es hörte sich an, als ... ja, als ob ein kleines Kind darin gewesen ist. |
| Mina: | Ein Kind? Jonathan, weißt du, was das alles zu bedeuten hat? |
| Harker: | Komm! Wir gehen auf unser Zimmer zurück, schnell! |
| Mina: | Ich habe Angst, Jonathan ... furchtbare Angst! Diese Frauen, sie wollten dein Blut trinken! |
| Harker (Erzähler): | Als Mina diese schreckliche Wahrheit über die Lippen gebracht hatte, wurde sie ohnmächtig. Ich fing sie auf, damit sie nicht auf den Boden stürzte, und trug sie in ihr Zimmer. |
| (Musik: 'Nacht des Werwolfs (alternative Einspielung)', vermischt mit 'Frankenstein & Dracula, Teil 2, langsame Variante (Bass-Abmischung)' 'Dracula's Drawbridge'.) | |
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Versionsvergleiche und Transkriptionen präsentiert von europa-vinyl.de und den Gruselseiten! Dieser Gastbeitrag von Thomas Schwettmann erschien am 27.01.2005 erstmals in den Gruselseiten und ist seit dem ??.01.2005 auch auf europa-vinyl.de zu finden. Die Gruselseiten / europa-vinyl.de, 27. Januar 2005 |
© Die Gruselseiten / Thomas Schwettmann (27. Januar 2005)