Schriftzug

 Fledermäuse 
"Wir werden Wochen brauchen, bis wir alles katalogisiert haben."
(Dr. Erich Jansing in "Die Begegnung mit der Mörder-Mumie")

 

Cover 
Horror Pop Sounds - Die Musik aus der Welt des Horrors ... (15)

Klappentext:
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Seite A: 
1. Horror Theme 1:07Frankenstein & Dracula, Teil 1
2. Schloß des Grauens 2:21Guitarrero Come Down (Part 1)
3. Ghost Rock 1:45Eva's Decision (Part 1)
4. Blutfürstin Dracula 2:06Miles Smiles Ahead
5. Tanz der Ameisen 2:01Areacode 212
6. Nacht der Nebel 1:32Nacht der Nebel
7. Marsch der Monster 1:11Frankenstein & Dracula, Teil 2, langsame Variante
8. Luzifers Stunde 2:10Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 1)
9. Gräfin Draculas Song 2:04Kinda Sad And Sometimes Too
10. Die Monstermumie 1:05Jenseits, Teil 2Die Monstermumie
   
Seite B:  
1. Frankensteins Labor 1:51Function Proof
2. Insel des Schreckens 1:32Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 3)
3. Draculas Gruft 2:02Orgelmusik aus »Dracula«, Nr. 02: Eine eindringliche WarnungAnother One Of Those Ups And Downs
4. Frankensteins Flucht 1:42Release Theme
5. Duell mit dem Vampir 2:26Theme For More Or Less Musicians (Part 3)
6. Stimmen der Geister 2:13Alone At Last
7. Discomunculus 1:47Simple Rhythm (Part 2)
8. Die Nacht des Werwolfs 2:00Nacht des Werwolfs
9. Dem Grauen entronnen! 1:41Guitarrero Come Down (Part 2)
   
  Produktionsnotizen (der Erstausgabe):
Effekte und Geräusche: Heikedine Körting
Musik: Bert Brac / Titel A 6, A 10 und B 8 Betty George, Ko-Autor Bert Brac
Eine Studio EUROPA-Produktion
Künstlerische Gesamtleitung: Dr. Beurmann

(Die Angaben zur Laufzeit sind nur auf der Rückseite der LP-Hülle zu finden; auf dem MC-Einleger wurden sie nicht vermerkt.)

   
Zur Editionsgeschichte:
• Diese Folge ist bislang auf zwei verschiedenen Tonträgern veröffentlicht worden; der Soundtrack liegt in einer einzigen Fassung vor.

• Den Gruselseiten ist seit 1998 eine Muster-LP bzw. Probepressung gemeldet worden, deren Label das handschriftlich notierte Datum des 15.09.1981 trägt.

Horror Pop Sounds war die letzte Folge der Gruselserie, die auf LP erschien.

??.??.1981LP115 742.6Fassung 1Ab 12 Jahre
??.??.1981MC515 742.0Fassung 1Ab 12 Jahre

   
Zu den Fassungen:
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Zur ersten Neuausgabe:
Horror Pop Sounds ist in der ersten 1987er Neuausgabe aus naheliegenden Gründen nicht berücksichtigt worden.
   
Zur zweiten Neuausgabe (Die Rückkehr der Klassiker):
• Auch in der 1999/2000er Neuausgabe konnte Horror Pop Sounds nicht wiederveröffentlicht werden. Je mehr Folgen der Gruselserie Monat für Monat erschienen, umso größer wurde die Spannung, was von Folge 15 zu erwarten sei. Für dieses Problem boten sich durchaus mehrere Lösungen an: a) EUROPA hätte Folge 15 einfach überspringen und Mut zur Lücke beweisen können; das mag abenteuerlich klingen, wurde im August 2001 aber im Falle von Larry Brent - Die Schlangenköpfe des Dr. Gorgo exakt so gehandhabt: nach Folge 8 erschien Folge 10, weil die Indizierung des 9. Hörspiels noch immer wirksam war (es wurde erst im November 2003 nachgeschoben). b) Ungeheuer aus der Tiefe hätte zur Folge 15 werden können, so daß die Folgennummern der letzten drei Hörspiele leicht versetzt worden wären; dies klingt ebenfalls abenteuerlich (vor allem im Hinblick auf die abwechselnden Farben der Cover), doch später gab es eine ähnliche Lösung, indem die Rückkehr-der-Klassiker-Fassung der Sherlock Holmes-Serienfolge 4 im Oktober 2001 als Folge 3 präsentiert und die dritte Folge (deren Masterband angeblich Probleme bereitete) im Juli 2002 als Folge 4 nachgereicht wurde. c) EUROPA hätte eine völlig neue Fassung der Horror Pop Sounds produzieren können, analog zu der 1996 neu zusammengestellten "Originalmusik" der drei ???; eine clevere Auswahl hätte eine ausgewogene Mischung aus neuen Stücken, "Harley & Co."-Musik der 1987er Neuausgabe und den guten alten Orchesterstücken ergeben - diese Option war vergleichsweise realistisch, aber es ist nicht klar, ob sie zumindest zeitweise ernsthaft erwogen wurde. d) Als Folge 15 hätte Heikedine Körting mit H. G. Francis zusammen ein völlig neues Hörspiel realisieren und damit testen können, wie groß der Markt für eine Fortsetzung durch neue Gruselhörspiele wäre; allerdings waren sich H. G. Francis und EUROPA Ende der 1990er Jahre alles andere als neongrün ... e) Last but not least schlummerte noch ein Gruselhörspiel im Archiv, das auf unerklärliche Weise 1981 ignoriert worden war - und so machte denn auch im März 2000 die Nachricht die Runde, daß Nessie - Das Ungeheuer von Loch Ness in zwei Monaten als neue Folge 15 auftauchen und somit neunzehn Jahre später doch noch die höheren Weihen der Gruselserie erhalten werde.
   
Zum Cover:
• "Die Musik aus der Welt des Horrors ...": Der im Rahmen der Gruselserie einmalige Untertitel ersetzte die Autorenangabe "H. G. Francis" auf der LP und auf dem Cover der MC, fiel dafür dann aber doch erstaunlich lang und sperrig aus: auf der LP zwingt der zweizeilige Untertitel den einzeiligen Haupttitel etwas nach unten und auf der MC rutscht das Ende des Untertitels direkt unter das EUROPA-Logo. Auf dem Rücken des MC-Einlegers wollte man dann aber doch nicht das einheitliche Erscheinungsbild rund um die Folgennummer beeinträchtigen und ließ den Autor stehen, so daß der Untertitel auf dem MC-Rücken in eine zweite Zeile gequetscht wurde.

• Der Untertitel wirkt nicht nur eigenartig gestelzt, sondern auch einfallslos, weil erneut "Horror" heraufbeschworen wird - warum nicht Musik zum Schreien, Soundtrack des Schreckens, Grooves aus der Gruft oder Melodien für große und kleine Monster?

• Streng genommen fehlt im Untertitel ein Leerzeichen zwischen "Horrors" und den Auslassungspunkten - auf den Labels der LP und der MC und innen im MC-Einleger wurde das Spatium nicht vergessen, aber dafür begegnen uns dort Mörder-Bindestriche ("Horror-Pop-Sounds") und teilweise ein "HORROR"-Angriff der Versalien. Und noch eine Variation: in der Folgenliste im MC-Einleger fehlt dem Untertitel zu Beginn der bestimmte Artikel, dies war auch im EUROPA-Jugendkalender 1984 der Fall.

• An der oberen Kante der LP ist der Titel wohl falsch geschrieben: "HORROR POP SOUND" - kann das jemand bestätigen?

Horror Pop Sounds bietet keine eigene Illustration - hierfür hätte sich sicherlich ein gruseliges Motiv finden lassen, vielleicht sogar der Discomunculus? -, stattdessen wartete das Cover mit eine wirren Collage auf, die Elemente aus den ersten zehn Folgen zusammenwürfelte. Dabei wurde eine Folge in zwei Segmente getrennt (Das Schloß des Grauens: Ulla und Georg), zwei Motive (Georg und Der Angriff der Horrorameisen) sind sogar ein weiteres Mal eingefügt worden, um den Randbereich zu füllen. Ulla und Georg wurden gespiegelt; Merikara ebenfalls, außerdem fehlt bei ihm der Strahl der austretenden Gewehrkugel. Gräfin Draculas Vampirzähne sind gegenüber der originalen Illustration gestutzt worden, sie reichen ihr nicht mehr bis zur Unterlippe. Der Vollmond ist gleich zweimal zu sehen, ebenso Frankensteins Monster - hätte man für Folge 2 nicht einfach Schloß Mordabrunn nehmen können? Und schließlich mogelte sich eine bislang und auch später in der Gruselserie nicht verwendete Illustration an den linken Rand (siehe unten).

• Daß Horror Pop Sounds nur Motive der ersten zehn Hörspiele und eine Lückenfüller-Lady zeigt, verwundert durchaus - wieso fehlen die gleichzeitig veröffentlichten vier Folgen Der Pakt mit dem Teufel, Die Nacht der Todes-Ratte, Dem Monster auf der blutigen Spur und Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf? Bedeutet dies zwangsläufig, daß innerhalb der zweiten Gruselserie-Staffel die Illustration für den Soundtrack als erstes fertig war? Daß Horror Pop Sounds vielleicht Folge 11 hätte werden sollen? Andererseits spricht wiederum einiges dafür, daß für die zweite Staffel zunächst gar kein Soundtrack geplant gewesen war (siehe unten).

• Die quadratische Illustration auf der MC beschränkte sich auf einen Bereich der LP-Collage mit sechs Motiven (1, 4, 6, 7, 8, 10); andere dadurch arg angeschnittene Motive oben links und unten rechts am Rand wurden getilgt.

• Zwischen LP und MC sind nur wenige Unterschiede in der Kolorierung zu verzeichnen: beim Duell mit dem Vampir zerfließt das Gelb des Vollmonds nach unten hin, so daß der Mond praktisch kaum noch als solcher zu erkennen ist.

• Das auf die Rückseiten der Folgen 11, 12, 13, 14 und 15 gedruckte Vorschau-Cover von Horror Pop Sounds zeigt die Collage im noch nicht hundertprozentig fertiggestellten Zustand. Die Motive sind zwar alle schon verteilt, doch hier und da sind einige weiße bzw. gelbe Partien zu erkennen, die auf dem fertigen LP-Cover fehlen, weil sie noch rechtzeitig zur Veröffentlichung wegretuschiert worden sind. Unter dem Kinn des Blutfürsten-Humunculus schimmerte noch der helle Bereich hinter dem Grabstein. Links am Hals von Frankensteins Sohn verlief noch ein heller Streifen, vermutlich Reste der Kerze im Schloß des Grauens? Unter den Beinen des Duell-mit-dem-Vampir-Opfers befand sich offenbar noch ein gelber Rockfetzen, der auf der fertigen LP entfernt wurde, allerdings gibt der weiße Fleck unter Draculas Haaren Rätsel auf - waren das ihre Füße? Über Merikaras linkem Arm verdeckte noch ein unförmiges weißes Dreieck den halben Spitzbogen des Kapelleneingangs: auf der LP ist der Bereich schwarz, auf der MC ist er hingegen weiß geblieben.

   
Gemälde Vorlagen:
• Selbst wenn Horror Pop Sounds sich keine eigene Illustration auf dem Cover leistet, könnte die Art und Weise, wie hier in einer Collage mit bereits bekannten Cover-Motiven ein Soundtrack bebildert wird, auf eine Vorlage zurückgehen - fragt sich nur, welche.

• Gruselserie goes English: was bedeutet der Titel Horror Pop Sounds? Hätte Horror Pop nicht genügt? Wieso mußten auch noch die Sounds in den Titel? Es scheint, als habe es in den 1970er-Jahren viele Alben und Sampler gegeben, die sich im Titel auf die wohlklingenden "Sounds" verließen - lehnt sich Horror Pop Sounds in irgendeiner Form an einen vorangegangenen Titel an?

• Die mysteriöse Frau, die sich am linken Rand auf das Cover der LP drängelt, ohne vorher - und auch nachher nicht - mit der Gruselserie in Verbindung gestanden zu haben, wirft zwei Fragen auf: wo kommt sie her und worauf könnte ihre Anwesenheit hindeuten? Eine mögliche Vorlage wurde hier auf den Gruselseiten gemeinsam gesucht und nach einigen Theorien auch mit einer Schauspielerin im Edgar-Wallace-Film Das Rätsel des silbernen Dreieck (BRD/GB, 1966) gefunden, deren Schrei-Porträt auf der Super 8-Ausgabe (Ufa, 1980) eines ganz anderen Films, nämlich In der Gewalt der Riesenameisen (USA, 1977), die direkte Vorlage gewesen sein dürfte. Natürlich könnte man vortrefflich spekulieren, ob die Dame zu einer nicht realisierten Folge gehört, doch von einer im Giftschrank verbliebenen Geschichte ist bis heute nichts bekannt. Viel wahrscheinlicher und banaler sind zwei andere denkbare Erklärungen: entweder war sie tatsächlich nur Füllmaterial und sollte lediglich als schreiende Frau eine Lücke ausbessern - allerdings war es an dieser Stelle gar nicht zwingend notwendig, am linken Rand alles zuzukleistern, denn rechts von Gräfin Dracula und unterhalb vom Duell mit dem Vampir klaffen ähnlich große Lücken, die einfach schwarz geblieben sind. Oder aber die Dame stammt von einem Entwurf für eine der bereits veröffentlichten Folgen - es könnte sich beispielsweise um Angie Stevenson handeln, die vor der Monsterspinne flieht ...?


Bilderzimmer / Horror Pop Sounds - Detail

   
Zur Sprecherliste:
• Eine Sprecherliste ist in diesem Soundtrack logischerweise nicht erforderlich - gleichwohl wäre interessant, wer sich neben Donata Höffer, Richard Lauffen, Michael von Rospatt, Heikedine Körting, Hans Paetsch (?) und Wolfgang Draeger hinter all den weiteren Schreien, Seufzern und Lachanfällen verbirgt.
   
Schauplatz Schauplatz:
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Zur Musik:
Horror Pop Sounds ist kein Hörspiel, sondern ein Soundtrack und besteht als solcher - wenig überraschend - nur aus Musik. Es sind insgesamt neunzehn Tracks, wobei zweimal völlig verschiedene Musikstücke miteinander kombiniert wurden: zum einen in Draculas Gruft, wo eine alte, für Dracula - Jagd der Vampire aufgenommene und in den Vampirfolgen der Gruselserie sehr präsente Orgelmusik als Intro für Carsten Bohns Another One Of Those Ups And Downs dient. Zum anderen wurde in Die Monstermumie der Anfang des behelfsmäßig identisch betitelten, orchestralen Stücks Die Monstermumie mit dem endlos geloopten Synthesizer-Intro von Carsten Bohns Jenseits, Teil 2 vermengt - dies war auch schon im Hörspiel Die Begegnung mit der Möder-Mumie der Fall.

• Auf Horror Pop Sounds sind insgesamt siebzehn Musikstücke von Carsten Bohn vertreten; drei von ihnen sind von März 1979 - Frankenstein & Dracula mit Part 1 und der langsam gespielten Variation des Part 2 sowie Jenseits, Teil 2 (hiervon nur das Intro, siehe unten) -, die anderen vierzehn entstammen der Session von April 1980: Guitarrero Come Down mit Part 1 und 2, Eva's Decision (Part 1), Miles Smiles Ahead, Areacode 212, Flaggio Let Me Be Like I Am mit Part 1 und 3, Kinda Sad And Sometimes Too, Function Proof, Another One Of Those Ups And Downs, Release Theme, Theme For More Or Less Musicians (Part 3), Alone At Last und Simple Rhythm (Part 2). Demgegenüber sind die orchestralen Stücke deutlich in der Unterzahl: Nacht der Nebel, Die Monstermumie und Nacht des Werwolfs wurden vom London Philharmonic Orchestra allem Anschein nach für die Gruselserie komponiert und aufgenommen.

• Da Die Monstermumie (mitsamt Jenseits, Teil 2-Intro) in halber Geschwindigkeit läuft und mit einer Minute überdies sehr kurz ist, sind de facto nicht einmal dreißig Sekunden dieses Stücks zu hören - das ist weniger als ein Viertel, denn in Wirklichkeit hat Die Monstermumie mehr als zwei Minuten Laufzeit und nimmt noch einige Wendungen, was u.a. Henry Aston und der Schörgen-Toni bezeugen können.

Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 3) wurde für Insel des Schreckens um zehn Takte gekürzt. Geschnitten wurde ziemlich genau nach einer Minute Laufzeit im zwanzigsten Takt - und zwar so, daß dieser zu einem 7/8-Takt verstümmelt worden ist: wer genau mitzählt, wird unweigerlich stolpern und sich das Metronom verstauchen. Die fehlenden Takte sind u.a. in Dem Monster auf der blutigen Spur und Die drei ??? und der Teufelsberg zu hören.

• Von Carsten Bohns insgesamt 33 Musikstücken, die im April 1980 aufgenommen wurden, sind lediglich neun nirgendwo in der Gruselserie zu hören: Brandnew Oldie, (It's A) Nice Day (Isn't It?) (Part 2), Kurabaya Sunset, Minor Majority, Raggedy Reggae, Simple Rhythm (Part 3), Theme For More Or Less Musicians (Part 1+2) sowie Tripling.

• Die parallel veröffentlichte Die drei ???-Originalmusik (siehe unten) ergänzt Horror Pop Sounds, indem sie immerhin fünf 1979er Musikstücke von Carsten Bohn beisteuert, die in der Gruselserie Verwendung gefunden hatten und die deshalb auf Horror Pop Sounds mindestens ebenso gut plaziert gewesen wären - allen voran Frankenstein & Dracula, Teil 3 (Bobs Recherchen), weil diese beschwingte Musik bekanntlich insgesamt drei Gruselhörspiele abschließt (und in Rocky Beach überhaupt nur in Die drei ??? und der Zauberspiegel erklingt) und Der Stahlelefant (Der grüne Geist) wegen seiner Nähe zur Mörder-Mumie sowie Jenseits, Teil 1 (Die "drei" kommen), Notlandung in Bali, Teil 1 (Verfolgung um jeden Preis) und The Lonely Monk (Happy Peter).

• Ist die auf Horror Pop Sounds getroffene Musikauswahl repräsentativ? Bildet der Soundtrack einen guten Querschnitt der Gruselserie ab? Ja und nein - mehrere in der Gruselserie oft eingesetzte Stücke sind hier vertreten, während andere häufig gespielte Stücke fehlen, außerdem irritieren manche Ausreißer in die entgegengesetzte Richtung: Horror Pop Sounds enthält gerade zum Abschluß mit Simple Rhythm (Part 2) (Discomunculus) und Guitarrero Come Down (Part 2) (Dem Grauen entronnen!) zwei Musiken von Carsten Bohn, die in keinem einzigen Hörspiel der Gruselserie vorkommen; drei weitere Musiken - Eva's Decision (Part 1) (Ghost Rock), Kinda Sad And Sometimes Too (Gräfin Draculas Song), Alone At Last (Stimmen der Geister) - wurden jeweils nur ein einziges Mal verwendet. Die Frage, welche Musik die Gruselserie tatsächlich geprägt hat, vermag subjektive Eindrücke nie ganz auszublenden: eine Musik, die selten zu hören ist, dann aber hundertprozentig paßt, kann weitaus stärker mit der Gruselserie verbunden werden als ein weitaus häufiger oder gar inflationär im Hintergrund gedudeltes Stück. Trotz aller trockenen Statistik könnte man dennoch den Versuch unternehmen, die Hörspielmusik gemäß ihrer jeweiligen Laufzeit in den siebzehn Hörspielen der Gruselserie (also ohne die Horror Pop Sounds!) zu quantifizieren. Dank der von den Hörspielforschern bereitgestellten Daten ist eine solche Rangliste ohne allzu großen Aufwand möglich - hier sind die Charts des Grauens:
     
1Frankenstein & Dracula, Teil 2, langsame Variante30:53 Min.Folge 2, 3, 5, 6, 8, 10Marsch der Monster
2Nacht des Werwolfs24:00 Min.Folge 3, 5, 6, 7, 11, 13, 14, 18Die Nacht des Werwolfs
3Die Monstermumie18:11 Min.Folge 6, 7, 8, 10, 11, 12, 13, 14, 18Die Monstermumie
4Mystic Theme, No. 2: Graveyard09:01 Min.Folge 6, 11, 13, 16 
5Frankenstein & Dracula, Teil 108:14 Min.Folge 2, 3, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 18Horror Theme
6Orgelmusik aus »Dracula«, Nr. 01: Titelmelodie07:56 Min.Folge 3, 8, 10 
7Jenseits, Teil 207:41 Min.Folge 7Bob Andrews' walk
8Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 1)06:48 Min.Folge 3, 5, 6, 8, 9, 10, 14Luzifers Stunde
9Miles Smiles Ahead05:31 Min.Folge 3, 8, 9Blutfürstin Dracula
Mystic Theme, No. 1: Tropical Island05:31 Min.Folge 11, 17 
11Thunderstorm05:18 Min.Folge 4, 12, 14 
12Guitarrero Come Down (Part 3)04:34 Min.Folge 5, 8, 11, 14, 16 
13Cloudburst04:16 Min.Folge 2, 4, 12 
14Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 2)04:08 Min.Folge 3, 5, 6, 8, 9, 10, 12, 14 
15Synthesizer-Cue für Gruselhörspiele, Nr. 7: Monstermaschine03:51 Min.Folge 1 
16Song Of India03:46 Min.Folge 7 
17Orgelatmosphäre aus »Dracula«, Nr. 103:38 Min.Folge 1, 10 
18Theme For More Or Less Musicians (Part 3)03:25 Min.Folge 5, 8, 10, 11, 17Duell mit dem Vampir
19Invirtita Ana Lugojana02:56 Min.Folge 16 
20Synthesizer-Cue für Gruselhörspiele, Nr. 2a: Submarin (langsames Tempo)02:54 Min.Folge 1, 16 
21Der Stahlelefant02:45 Min.Folge 7Der grüne Geist
22Hexentanz02:41 Min.Folge 12, 18 
23Another One Of Those Ups And Downs02:40 Min.Folge 6, 9, 12, 14, 16Draculas Gruft
24Nacht der Nebel02:39 Min.Folge 9, 11, 13, 18Nacht der Nebel
25Guitarrero Come Down (Part 1)02:38 Min.Folge 5, 7, 14, 16Schloß des Grauens
26Eva's Decision (Part 3)02:24 Min.Folge 3, 12 
27Music from »Violent Midnight«: Motorcycle Chase, fragment 302:21 Min.Folge 2, 4, 12, 18x 
28Frankenstein & Dracula, Teil 2, schnelle Variante02:18 Min.Folge 2, 3, 10 
29Music from »Violent Midnight«: Motorcycle Chase, fragment 102:10 Min.Folge 4, 12 
30Elektronische Musik für »Perry Rhodan«02:09 Min.Folge 4 
31Guantanamera02:06 Min.Folge 17 
32Music from »Violent Midnight«: Motorcycle Chase, fragment 402:04 Min.Folge 2, 4, 12 
33Paso doble02:01 Min.Folge 12 
34Frankenstein & Dracula, Teil 301:58 Min.Folge 6, 9, 11Bobs Recherchen
35Musik aus »Sindbad« u.a., Nr. 2a01:56 Min.Folge 7 
36Flaggio Let Me Be Like I Am (Part 3)01:53 Min.Folge 13, 14Insel des Schreckens
37Eva's Decision (Part 1)01:50 Min.Folge 5Ghost Rock
38Paradies01:48 Min.Folge 18 
39Mystic Theme, No. 3: Spring Rounds01:33 Min.Folge 16, 17 
40Moony Music, No. 1: Candle Light01:30 Min.Folge 4 
41Doinà olteneascà01:25 Min.Folge 16 
42Synthesizer-Cue für Gruselhörspiele, Nr. 1: Frankensteins Sohn01:23 Min.Folge 1 
Moony Music, No. 2: Eternal Love01:23 Min.Folge 4 
44Music from »Snow White«, No. 18a: Magic Spell01:22 Min.Folge 3 
Viviane, op. 501:22 Min.Folge 10 
Aufbruch und Verfolgungsjagd01:22 Min.Folge 13 
47Eva's Decision (Part 2)01:20 Min.Folge 3, 5, 12 
48Synthesizer-Cue für Gruselhörspiele, Nr. 5: Gewaber01:10 Min.Folge 1, 16 
49Jenseits, Teil 3a01:09 Min.Folge 6 
50Orgelmusik aus »Dracula«, Nr. 02: Eine eindringliche Warnung01:04 Min.Folge 1, 3, 8, 10 
Hora din prahova01:04 Min.Folge 16 
52Function Proof01:01 Min.Folge 3, 10Frankensteins Labor
53Simple Rhythm (Part 1)00:59 Min.Folge 13 
54Summer of '8200:56 Min.Folge 18 
55Areacode 21200:53 Min.Folge 10, 12Tanz der Ameisen
56Sîrba fetilitor (Tanz der Dorfjugend)00:51 Min.Folge 16 
57Kinda Sad And Sometimes Too00:46 Min.Folge 13Gräfin Draculas Song
Dracula, Prelude For Orchestra: Misterioso00:46 Min.Folge 18 
Kutschfahrt ins Jenseits00:46 Min.Folge 18 
60Schlangenbeschwörung00:38 Min.Folge 18 
61(It's A) Nice Day (Isn't It?) (Part 1)00:37 Min.Folge 5 
62Rumänische Volksweisen00:36 Min.Folge 12 
63Music from »Violent Midnight«: Criminal Climax, fragment 100:33 Min.Folge 18 
64Orgelmusik aus »Dracula«, Nr. 03: Das Schloss des Grafen00:31 Min.Folge 1, 10 
65Sag mir doch, warum00:30 Min.Folge 5 
Orientalische Musik, Nr. 1b: Merikara, Variation B00:30 Min.Folge 7 
67The Lonely Monk00:29 Min.Folge 5Happy Peter
S.O.B.00:29 Min.Folge 13 
69Coming Home00:27 Min.Folge 4 
(It's A) Nice Day (Isn't It?) (Part 3)00:27 Min.Folge 9 
Càlusarii oltenesti (Die Männer am Oltineia)00:27 Min.Folge 16 
72Notlandung in Bali, Teil 100:26 Min.Folge 6Verfolgung um jeden Preis
Koboldschreck00:26 Min.Folge 8 
74Drag mi e sà tràiesc pe lume00:25 Min.Folge 16 
75Release Theme00:24 Min.Folge 8Frankensteins Flucht
Alone At Last00:24 Min.Folge 13Stimmen der Geister
77Music from »Snow White«, No. 18b: Magic Spell (Coda)00:22 Min.Folge 3 
Jenseits, Teil 100:22 Min.Folge 6Die "drei" kommen
79Harfenmusik, Nr. 1a00:19 Min.Folge 2 
80Musik aus »Der Graf von Monte Christo« u.a., Nr. 7: Themen-Variation in moll00:18 Min.Folge 2 
Ritter ohne Furcht, Nr. 100:18 Min.Folge 2 
82Harfenmusik, Nr. 200:17 Min.Folge 2 
83Conquerors Of The Ages: Theme and Prelude00:16 Min.Folge 7 
84Cîntecul dorului, doua sîrbe (Lied der Sehnsucht)00:15 Min.Folge 16 
Vecina, vecina (Tratsch der Nachbarn)00:15 Min.Folge 16 
86Orgelmusik aus »Dracula«, Nr. 05: Harker hat Angst00:14 Min.Folge 1 
Berlin Sequence00:14 Min.Folge 5 
88Music from »Snow White«, No. 13: Escape To The Forest00:13 Min.Folge 9 
89Musik aus »Der kleine Lord« u.a., Nr. 1100:12 Min.Folge 2 
90Synthesizer-Cue für Gruselhörspiele, Nr. 4: Gefangen00:11 Min.Folge 1 
91Musik aus »Der Graf von Monte Christo« u.a., Nr. 3: Zwischenspiel00:10 Min.Folge 2 
Musik aus »Tom Sawyer« u.a.: Zeter und Mordio, Nr. 200:10 Min.Folge 9 
93Musik aus »Sindbad« u.a., Nr. 4. Akzent00:08 Min.Folge 7 
94Brummi-Rockmusik00:05 Min.Folge 4 
95Musik aus »Tom Sawyer« u.a.: Camelot, Nr. 800:04 Min.Folge 4 
96Music from »Snow White«, No. 11: Bleeding Heart (Accent)00:03 Min.Folge 9 

   
Sonstiges:
• Während im Die drei ???-Soundtrack nur drei Musikstücke durch Hörspiel-Miniszenen bzw. heruntergeleierte Knittelverse gestört werden und die Geräusche vergleichsweise wenige Melodien beeinträchtigen, sind die Horror Pop Sounds im Bann der Monster-Overdubs. Durchaus folgerichtig fehlt im Klappentext der Horror Pop Sounds die von den drei ??? her bekannte Anregung, diese Werke "auch als Background-Musik für Eure eigenen Hörspiele verwenden" zu können. Geräuschefrei sind nur Horror Theme, Tanz der Ameisen, Marsch der Monster, Frankensteins Flucht, Discomunculus und Dem Grauen entronnen!. In den übrigen Stücken bleibt uns immerhin (Sprech-)Gesang erspart und nur ein einziger Ausschnitt aus den Hörspielen (Prof. Hasquet bedrängt Claudine im Finale von Die Nacht der Todes-Ratte) hat es unmittelbar an den Anfang dieses Soundtracks (Horror Theme) geschafft, ansonsten: Geräusche, Geräusche, nichts als Geräusche! Aus der Gruselserie bekannt ist jedoch nur wenig - die knarrende Tür zu Beginn und die Ameisen in der Mitte von Schloß des Grauens, der wahnsinnige Seemann, Nessie und der schrille Schrei in Blutfürstin Dracula, die Kirchturmuhr in Luzifers Stunde, das Wolfsgeheul in Gräfin Draculas Song und Die Nacht des Werwolfs, Merikara in Die Monstermumie sowie die feindlichen Brüder in Duell mit dem Vampir. Die bei Stimmen der Geister eingestreuten Lautäußerungen unbekannter Wesen wirken aufgrund der Verzerrungen immerhin noch so vertraut, als hätte Commander Perkins sie im Dimensionsbrecher mit Cindys Tonbandgerät direkt auf der Wega aufgenommen. Manche Geräusche sind sicherlich passend, keine Frage, doch andere erscheinen - wie z.B. Heikedine Körtings seltsamer Wecker und die anderen schreienden Uhren in Mr. Hadleys Experimentierraum - wie zweckentfremdet und deplaziert. Gruselig ist auch bei weitem nicht alles, eher albern: Wieso wird in Ghost Rock auf einem Sägeblatt gezischelt und gequietscht? Warum latscht jemand auf nervtötender Spur durch Draculas Gruft? Welche dreckigen Witze hat Blutfürstin Dracula erzählt, daß bei ihr fortwährend gegackert und gekichert wird?

Die Nacht des Werwolfs enthält Geknurre, das allem Anschein nach für Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf aufgenommen, darin dann aber doch nicht verwendet worden ist: mit doppelter Geschwindigkeit wird schnell entlarvt, wer dieser Werwolf war: Wolfgang Draeger.

   
Serienproduktion im Höspiel-Labor:
• Vieles wurde im Tonstudio EUROPA zeitgleich zu Horror Pop Sounds produziert. Interessante Parallelen zeigen sich allerdings nur in einem Tonträger:
Die drei ??? (29): ... und ihre Hits / Die Original-Musik der EUROPA-Jugend-Serie

• Beide Soundtracks sind zweifelsohne miteinander verwandt - sie müßten wirklich zum gleichen Zeitpunkt angedacht und veröffentlicht worden sein, siehe unten.

   
Schloßchronik Zur Chronologie:
Horror Pop Sounds ist Teil der zweiten Staffel der Gruselserie, die mit Folge 11 bis 15 neben dem Soundtrack vier neue Hörspiele umfaßt. Das genaue Veröffentlichungsdatum der fünf Tonträger liegt im Dunkeln, dürfte aber wohl Anfang Oktober 1981 und damit genau ein halbes Jahr nach dem Start der Gruselserie gewesen sein, denn die bislang bekannten Probepressungen dieser Hörspiele datieren vom 14., 15. und 21. September. Oktober 1981 ist auch deshalb wahrscheinlich, weil die Gruselserie mitsamt ihrer zweiten Staffel im EUROPA-Katalog Kinder- und Jugendprogramm 1981/82 aufgeführt wird, welcher wiederum etliche Wochen vor Dezember 1981 gedruckt worden sein muß, da einige andere Hörspiele in diesem Monat erst erscheinen sollten.

Horror Pop Sounds war offenbar etwas früher fertig produziert als die meisten Hörspiele der zweiten Gruselserie-Staffel, denn den Daten auf den Labels der erhaltengebliebenen Muster-LPs zufolge liefen am 14./15. September 1981 Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf und Horror Pop Sounds praktisch gleichzeitig durch die Quickborner Schallplattenfabrik - und damit eine Woche vor Die Nacht der Todes-Ratte (21. September). Probepressungen der Folge 11 und 13 sind noch nicht bekannt, aber es darf zumindest vermutet werden, daß sich die Folgen 11, 12 und 13 etwas verspäteten, weil Günther Ungeheuers Erzählertexte noch auf sich warten ließen und erst spät hinzugefügt werden konnten. Ungeheuer hatte im Herbst eine längere Theatertournee mit Der Hexer im gesamten deutschsprachigen Raum vor sich, deren Proben in München stattfanden; in den Tagen unmittelbar nach der Premiere, die am 18. September 1981 in Uelzen stattfand, hielt er sich tatsächlich im Wendland bzw. im nördlichen Niedersachsen auf: die ersten Stationen waren Dannenberg, Bevensen, Lüchow und Nienburg (am 24. September gastierte er im Theater im Park in Hamburg-Bergedorf, aber das war bereits zu spät). Ungeheuer wird also mal eben nach Hamburg hineingefahren und auf Stippvisite in der Agnesstraße gewesen sein.

• Wie weit vorausschauend bei EUROPA geplant wurde, wissen wir nicht. War die Produktion von Folge 11 bis 15 bereits vor April 1981 angelaufen und hatte Franciskowsky mit der Schreibarbeit begonnen, bevor auch nur ein einziges Hörspiel der Gruselserie im Handel erhältlich war? Oder aber fanden die zehn ersten Folgen der Gruselserie seit Anfang April 1981 einen derart reißenden Absatz, daß sich Tonstudio und Autor umgehend daran machten, Nachschub zu produzieren? Wie dem auch sei: Franciskowsky griff für die zweite Staffel auf das in Folge 6 und 8 bewährte Rezept zurück und siedelte diesmal gleich drei neue Hörspielhandlungen an konkret benannten europäischen Orten an, die er aus eigener Anschauung vom Familienurlaub her kannte; Brest und Le Folgoët sind in der Bretagne im Département Finistère nur einen Steinlilienwurf entfernt. Der Soundtrack ragt als Solitär aus der Staffel heraus und auch die Entstehungsgeschichte scheint ein spezialgelagerter Sonderfall zu sein - auch weil die drei ??? dabei eine Rolle spielten.

• Man könnte meinen, die Arbeit an den Horror Pop Sounds sei recht frühzeitig begonnen worden, weil für die Cover-Collage (siehe oben) offenbar noch keine einzige Illustration der zweiten Staffel fertig war. Andererseits deutet wiederum einiges darauf hin, daß Horror Pop Sounds erst spät als Folge 15 zur zweiten Staffel dazukam und somit Ungeheuer aus der Tiefe in die dritte Staffel verdrängt hat, denn die ersten Dialogaufnahmen von wahrscheinlich vier Feriengästen müßten (wie praktisch alle Rollen in den Folgen 11-14) zeitgleich zur Romanserie stattgefunden haben, da Susanne Beck, Gernot Endemann, Barbara Fenner und Andreas von der Meden dort ebenfalls auftauchen - im Gegensatz zu Michael Harck und Rebecca Völz, die mitsamt den anderen Nebenrollen offensichtlich erst später, nämlich anläßlich der Aufnahmen von Gruselserie-Folge 17 und 18 hinzukamen. Daß das Cover von Horror Pop Sounds frühzeitig gestaltet wurde und daß man den Soundtrack erst spät als Folge 15 in die zweite Staffel aufnahm, ergibt zusammengenommen keinen Sinn - es sei denn, man zieht die Möglichkeit in Betracht, daß Horror Pop Sounds zunächst gar nicht innerhalb der Gruselserie mit ihrer Folgenzählung, sondern als Musik-Album außerhalb der Reihe erscheinen sollte! Exakt dasselbe darf für den Zwillings-Soundtrack Die drei ??? und ihre Hits ebenfalls angenommen werden.

• Eine Hörspielwerbung auf den hinteren Seiten der 1982 veröffentlichten Erstauflage des Buchs Die drei ??? und das Narbengesicht erstreckt sich über 29 Titel: die Folge 28 wird für Januar 1982 angekündigt, während Die drei ??? und ihre Hits wie die Folgen 25-27 als "NEU", also als frisch veröffentlicht bezeichnet werden - mehr noch: Die drei ??? und ihre Hits hat in der Liste ausdrücklich keine Folgennummer! Sowohl bei Horror Pop Sounds als auch bei Die drei ??? und ihre Hits ist auffällig, daß die Folgennummern 15 bzw. 29 auf den MC-Einlegern bzw. auf der Schallplattenhülle genannt werden, doch auf den Labels der MCs und LPs der jeweiligen Tonträger-Erstauflage fehlen sie; zudem wird auf den Labels der Horror Pop Sounds nicht einmal der Serientitel erwähnt. Die Labels könnten bereits (außerhäusig?) in Auftrag gegeben worden sein, als man beide Soundtracks anfangs noch separat veröffentlichen wollte - und die Labels waren wohl bereits in hoher Stückzahl gedruckt, als man während der laufenden Produktion beschloß, die Soundtracks eben doch lieber in die jeweilige Serie einzugliedern. In der Gruselserie blieb daraufhin Ungeheuer aus der Tiefe zeitweilig liegen; bei den drei ??? kam es zu einem Paradoxon, denn das nun als Folge 29 deklarierte Musik-Album erschien vor der Folge 28, die bereits für Anfang 1982 eingeplant, angekündigt und beworben worden war, weshalb der Doppelgänger die Folgennummer 28 behielt.

• Ob Horror Pop Sounds und Die drei ??? (29) zeitgleich erschienen sind, ist kurioserweise nicht belegt. Zum Die drei ???-Soundtrack ist kein genaues Veröffentlichungsdatum überliefert, auch eine Probepressung wurde noch nicht gesichtet: Produktmanagerin Corinna Wodrich hatte einmal für sämtliche Die drei ???-Folgen die Daten recherchiert und rocky-beach.com für ihre Hörspielsektion zur Verfügung gestellt, doch für Folge 29 konnte sie lediglich bestätigen, daß diese vor Folge 28 erschienen war; als ungefähren Zeitraum hat rocky-beach.com jahrelang "Frühjahr 1982" genannt, was reichlich spät wäre und deshalb anzuzweifeln ist. Vielmehr ist davon auszugehen, daß die Die drei ???-Folge 29 zusammen mit den Folgen 25-27 am 19. Oktober 1981 auf den Markt kam. So war es zumindest geplant, das legen mehrere zeitgenössische Hörspiellisten nahe: in den MC-Einlegern der Hörspielfolgen 25-27 wird Folge 29 normal aufgeführt, während Folge 28 erst im "Februar 1982" erscheinen sollte. Diese Angaben finden sich auch im Prospekt EUROPA - Kinder- und Jugendprogramm 1981/82, in dem Folge 29 wie auch die Folgen 25, 26 und 27 und die Gruselserienfolgen 11-15 als veröffentlicht galten, während Die drei ??? und der Doppelgänger als Folge 28 für Februar 1982 angekündigt wurde. Die bereits erwähnte Hörspielwerbung im Buch Die drei ??? und das Narbengesicht versieht die Folgen 25-27 und den Soundtrack mit einem Sternchen (= "NEU"), während Folge 28 mittels zwei Sternchen als "1/82 lieferbar" deklariert wird (da hier für Folge 28 noch der Januar genannt wurde, entstand diese Werbung möglicherweise zu einem früheren Zeitpunkt). Über die Gründe für die Verzögerung des Doppelgängers wäre munter zu spekulieren; es gibt jedoch gewisse Anzeichen, daß verlagsinterne, verwertungsrechtliche Abstimmungsprozesse, in die nicht zuletzt auch Aiga Rasch involviert war, die Folge 28 ins Hintertreffen bzw. auf die lange Bank geraten ließen. Demgegenüber entstand der Die drei ???-Soundtrack bekanntlich ohne Mitwirkung von Aiga Rasch (ihr wurde Mitte 1982 nachträglich ein als "Schmerzensgeld" deklariertes Honorar zugestanden), so daß das Musik-Album von den Verzögerungen im Gegensatz zu Folge 28 nicht betroffen war; weil nun aber der Doppelgänger bereits als Folge 28 angekündigt worden war, bekam Die drei ??? und ihre Hits die Folgennummer 29 verpaßt. - Jedenfalls dürften Horror Pop Sounds und Die drei ??? und ihre Hits tatsächlich mehr oder weniger gemeinsam auf den Markt gekommen sein - wenn nicht doch noch etwas dazwischen kam, so daß die gedruckten Angaben von der Realität überholt worden wären und auch Folge 29 sich noch um einige Monate verzögert hätte (immerhin wurden im EUROPA - Kinder- und Jugendprogramm 1981/82 auch Commander Perkins (10) und (11) angekündigt und Die drei ??? und der Doppelgänger erschien letztlich erst zusammen mit Folge 30 am 7. Juni 1982). Wie man es auch dreht und wendet: eigentlich spricht nichts gegen eine Veröffentlichung beider Soundtracks im Oktober 1981.

• Die Planung beider Musikalben dürfte sich allemal parallel vollzogen haben. Möglicherweise wurde jedoch zuerst die Musikauswahl für Horror Pop Sounds getroffen, denn hierfür schöpfte man zeitnah aus dem Vollen: Horror Pop Sounds legt bei Carsten Bohns Musik deutlich den Schwerpunkt auf Melodien, die er in der Session von April 1980 aufnahm und die die Gruselserie maßgeblich geprägt haben. Als Die drei ??? (29) gefüllt wurde, schien der Fundus der 1980er Musiken bereits merklich aufgebraucht zu sein und so griff man verstärkt auf etliche 1979er Stücke aus der Anfangszeit der Die drei ???-Serie sowie auf einige der neuesten Melodien von Mai 1981 zurück (die in der Gruselserie außen vor blieben) - die 1980er Session ist im Die drei ???-Soundtrack tatsächlich nur noch mit drei Musikstücken vertreten.

• Warum überhaupt ein Hörspiel-Soundtrack? Ob zuvor über die Monate und Jahre hinweg Tausende Briefe und Anrufe in Quickborn eingegangen waren, in denen Hörspielfans nach vollständigen Kopien bestimmter Musikstücke fragten oder gar um die Veröffentlichung von Soundtracks flehten, ist nicht überliefert - es wäre aber durchaus vorstellbar, daß derlei Anregungen auf diesem Wege an die Verantwortlichen herangetragen wurden und entsprechende Überlegungen in diese Richtung überhaupt erst auslösten. EUROPA könnte also Fanwünschen entsprochen und einer wachsenden Nachfrage seitens der Hörerschaft Rechnung getragen haben. Zugleich könnte in eigener Sache gerechnet worden sein, immerhin spülte ein ausschließlich aus Musik bestehendes Album - mit zu erwartenden Absatzzahlen im fünf- oder gar sechsstelligen Bereich - GEMA-Tantiemen in beträchtlichem Umfang in die Kasse von "Bert Brac". Fungierte der bereits 1980 erschienene (und aus der Folgenzählung ausgeklammerte!) Soundtrack zu den O-Ton-Hörspielen der Fernsehserie Mein Freund Winnetou als Vorreiter? Wurde hier erstmals deutlich, daß eine im Schlepptau einer Serie veröffentlichte Musikfolge so viel Absatz generierte, daß sich die hinzugefügten Musikstücke aus dem eigenen Repertoire (u.a. die auch in der Gruselserie verwendete orchestrale Musik Aufbruch und Verfolgungsjagd) im wahrsten Sinne des Wortes auszahlten? Auf der Suche nach einem passenden Rahmen für einen Seriensoundtrack wurden die drei ??? und die Gruselserie ausgewählt. Wieso ausgerechnet die Gruselserie und warum nicht die Fünf Freunde oder Hui Buh - immerhin wurden auch diese Serien 1981 bzw. 1982 erfolgreich fortgesetzt? War die Gruselserie schlichtweg die nach den drei ??? zweiterfolgreichste Hörspielserie jener Monate? Hatte Miller International bei Enid Blytons Erben und bei Eberhard Alexander-Burgh auf Granit gebissen? So oder so lag die Gruselserie nahe, weil abgesehen vom eng verbandelten Autor H. G. Francis keine weiteren externen Lizenzgeber hineinreden oder ihr Veto einlegen konnten.

• Ob das Soundtrack-Experiment gelungen war, hängt vermutlich davon ab, wen man fragt und wer welche Erwartungen daran geknüpft hatte. Bei der jungen Hörerschaft wird wohl die Enttäuschung überwogen haben, weil der Gebrauchswert der geräuschlastigen Musiken für eigene Hörspiele eher überschaubar war. Die meisten werden sich über einen Soundtrack in der Serie zunächst einmal gewundert und sich gefragt haben, ob sie ihr Taschengeld hier investieren sollten: die einen Stammkunden haben bereitwillig zugegriffen, die anderen machten einen Bogen um die Folge 15 und nahmen eine Lücke in ihrer Sammlung in Kauf. Die damaligen Absatzzahlen der Horror Pop Sounds sind - wie bei den anderen Hörspielen der Gruselserie - nicht bekannt. Daß sich Horror Pop Sounds schlechter verkaufte als die Folgen 11, 12, 13 und 14, versteht sich scheinbar von selbst. Allein schon die auf Flohmärkten in die Höhe geschossenen Beträge sprechen eine klare Sprache: Ende der späten 1990er Jahre begann sich der Preis im deutlich zweistelligen Bereich einzupendeln, gierige Hörspiel-Preiskatalog-Zombies taxierten den Wert der Horror Pop Sounds auf etwa 75 DM bzw. 30 bis 40 Euro. Die LP dürfte seltener im Umlauf sein als die MC - inzwischen zählt Horror Pop Sounds mehr denn je zu den EUROPA-Tonträgern, die auf dem Sammlermarkt am teuersten gehandelt werden, teurer noch als die LP der Die drei ???-Originalmusik. Manche bezeichnen die Horror Pop Sounds-LP als den "Heiligen Gral", weil sie praktisch nie in freier Wildbahn zu finden ist - wer sie heutzutage aus einer Platten-Grabbelkiste fischt und für ein paar Euro erwirbt, hat den Jackpot geknackt. Ob Horror Pop Sounds aber wirklich signifikant seltener über den Ladentisch ging, wäre durchaus die Frage, zumal von der MC immerhin (wie auch von den Folgen 1-14) eine Nachauflage existiert, deren Kassetten-Label das neuere Design der Folgen 16 bis 18 aufweist - diese Auflage dürfte seltener sein als die Erstauflage. Andererseits scheint sich der Absatz doch vergleichsweise in Grenzen gehalten zu haben, denn wären beide Soundtracks durchschlagend erfolgreich gewesen, hätte man diese Masche bei nachfolgenden populären Serien wie z.B. Ein Fall für TKKG oder Masters of the Universe sicherlich zu wiederholen versucht.

• Überhaupt geizte EUROPA fortan mit Soundtracks und schaltete nach der Rückkehr der erwachsenen Hörspielfans gegen Ende der 1990er Jahre auf Durchzug, wann immer Stimmen laut wurden, die sich Soundtracks wünschten. Selbst als besonders versierte Fans damit anfingen, die Hörspielmusik anhand der unzähligen Fragmente zu rekonstruieren, konnte sich EUROPA nicht dazu durchringen, aktiv zu werden. Die Zahl der seitdem veröffentlichten Originalmusiken läßt sich an zwei Händen abzählen: zum einen erschienen 2003 sechs Musiken als Bonus-Tracks zur nicht mehr indizierten Larry Brent-Folge 9, zum anderen fügte man 2021 der Perry Rhodan-Nostalgiebox sage und schreibe drei Orchestermusiken hinzu. Mehr nicht. Während Carsten Bohn mit seinen Brandnew Oldies seine Werkschau neu einspielte und Jan-Friedrich Conrad und Manuel Backert ihre Originale aus den Archiven kramten, sitzt man bei EUROPA allem Anschein nach beharrlich auf den alten Bändern und traut sich keine Veröffentlichung der Originalmusik zu.

   
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