Schriftzug

 Fledermäuse 
"Wir werden Wochen brauchen, bis wir alles katalogisiert haben."
(Dr. Erich Jansing in "Die Begegnung mit der Mörder-Mumie")

 

Cover Cover
Gräfin Dracula, Tochter des Bösen (8)

Klappentext:
Portugiesische Fischer haben das Leuchtfeuer vom Cap São Vincente gelöscht. Sie wollen Schiffe auf die tödlichen Klippen locken, um sie auszuplündern! Ein Schiff zerschellt. Doch nicht Gold und Silber sind an Bord, sondern die Tochter Draculas! Grausam ist ihre Rache an den Fischern, aber noch ist ihr Blutdurst nicht gestillt! Für die Reisenden bedeutet die Begegnung mit Gräfin Dracula Todesgefahr.
   
  Besetzung (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

ErzählerGünther Ungeheuer 
Amalia RodriguezKatharina Brauren 
Pedro FariaErnst von Klipstein[Ernst von Klippstein]
Maria MenaresGabi Libbach 
Angelo MenaresHorst Stark 
WahnsinnigerMichael von Rospatt 
Gräfin DraculaMarianne Kehlau 

   
  Produktionsnotizen (der Erstausgabe):
Hörspiel von H. G. Francis
Regie: Heikedine Körting
Musik und Effekte: Bert Brac
Eine Studio EUROPA-Produktion
Künstlerische Gesamtleitung: Dr. Beurmann
   
Zur Editionsgeschichte:
• Diese Folge ist bislang auf sieben verschiedenen Tonträgern sowie digital im Streaming bzw. als Download veröffentlicht worden; das Hörspiel liegt in sechs unterschiedlichen Fassungen vor.

• Den Gruselseiten ist seit 1998 eine Muster-LP bzw. Probepressung gemeldet worden, deren Label das handschriftlich notierte Datum des 23.03.1981 trägt.

??.04.1981LP115 689.6Fassung 1Ab 12 Jahre
??.04.1981MC515 689.0Fassung 1Ab 12 Jahre
??.??.1987MC516 431.1Fassung 2Ab 12 Jahre
01.10.1999CD74321 70007 2Fassung 3.1Ab 14 Jahre
01.10.1999MC74321 70007 4Fassung 3.2Ab 14 Jahre
??.??.20??CD74321 70007 2Fassung 4.1Ab 14 Jahre
??.??.20??MC74321 70007 4Fassung 4.2Ab 14 Jahre
28.04.2017digital Fassung 4.1 (?)Ab 14 Jahre

   
Zu den Fassungen:
• Bereits in der Fassung 2 wurde Carsten Bohns Musik nahezu gänzlich entfernt und überwiegend durch neue orchestrale Stücke ersetzt; 1999 fügte man wiederum neuere Musik hinzu.

• Die Fassungen 3.1 und 3.2 weichen wohl nur in der Hörspielmitte (Seitenwechsel der MC) geringfügig voneinander ab. Während auf der CD in Fassung 3.1 die Musik aus ??? (079) »Im Bann des Voodoo«: Trolle von Amalia Rodriguez' Todessturz nahtlos zur Konfrontation der Gräfin mit Maria hinüberleitet (mitten in dieser Musik beginnt denn auch Track 4 der CD), wird diese Musik in Fassung 3.2 am Ende der ersten MC-Seite ausgespielt - und zu Beginn der zweiten MC-Seite einfach wiederholt. Dies gilt auch für die Fassungen 4.1 und 4.2.

Gräfin Dracula, Tochter des Bösen ist nach der Fassung 3 von 1999 erneut bearbeitet worden, um stärker von Carsten Bohns Musik abzulenken, die bei der Ankunft der Reisenden im Haus Heinrichs des Seefahrers in der 1987er Neuausgabe und auch noch in der 1999er Neuausgabe nur unzureichend verdeckt worden war. Seitdem weist in der Fassung 4 diese Szene eine weitere Musik auf, während Amalia Rodriguez über das "unchristliche Haus" spricht; in ihren Sätzen und in Angelo Menares' Antwort darauf wurden zudem mehrere Sprechpausen eliminiert, wodurch sich die Laufzeit insgesamt um zwei bis drei Sekunden verringert hat. Der genaue Zeitpunkt dieser Bearbeitung ist unklar und wird bei den Hörspielforschern nur deshalb auf 2001 geschätzt, weil das neu eingefügte Musikstück in anderen, anno 2001 erschienenen Tonträgern auftaucht. Ob außerdem weitere Veränderungen etwa in den Dialogen lauern, ist noch nicht systematisch überprüft worden.

• Ob nach diesem Zeitpunkt an dem Hörspiel erneut etwas verändert worden ist, ob es also z.B. im Streaming als Fassung 5 gilt, ist noch nicht systematisch überprüft worden; bislang wurden keine Bearbeitungen entdeckt.

   
Zur ersten Neuausgabe:
Gräfin Dracula, Tochter des Bösen gehört zu den zehn 1981/1982 neu veröffentlichten Hörspielen der Gruselserie, die in der ersten 1987er Neuausgabe in einer überarbeiteten Fassung und mit verkürztem Titel erschienen sind. Gräfin Dracula war Folge 2.
   
Zur zweiten Neuausgabe (Die Rückkehr der Klassiker):
Gräfin Dracula, Tochter des Bösen wurde in der 1999/2000er Neuausgabe erneut wiederveröffentlicht.

• Von dieser Fassung 3 weicht eine neuere Fassung 4 ab, die irgendwann ab 2001 sowohl als CD wie auch als MC veröffentlicht worden ist, ohne daß Fassung 3 und Fassung 4 an ihrem Äußeren voneinander zu unterscheiden wären. CDs lassen sich identifizieren, sobald beim Einlegen in den CD-Player die Gesamtlaufzeit angezeigt wird bzw. wenn im CD-Laufwerk des Rechners die Metadaten ausgelesen werden: Track 1 ist in Fassung 3.1 aufgerundete 5:16 Min. lang, in Fassung 4.1 hingegen nur aufgerundete 5:14 Min. Die MCs müssen auf klassische Weise überprüft und angehört werden: wenn nach der Ankunft der Reisenden im Haus Heinrichs des Seefahrers nach Amalia Rodriguez' "Was für ein seltsames Haus ..." Carsten Bohns Guitarrero Come Down (Part 3) im Hintergrund einsetzt und einige Sekunden lang zu hören ist, bevor es unter der 1999 eingesetzten Musik aus ??? (086) »Nacht in Angst«: "Breed Of Darkness" verschwindet, handelt es sich um die Fassung 3.2 von 1999. In der neueren Fassung 4.2 übertünchen neuartige Synthesizer-Klänge (Christopher's Palace) den Beginn von Guitarrero Come Down (Part 3); sie setzen auch früher ein, bereits während Maria "Die Kerzen brennen, also muß jemand da sein ..." sagt.

   
Zum Cover:
• Die Illustration zu Gräfin Dracula, Tochter des Bösen besteht aus zwei Szenen: neben dem Porträt der ihre Augen aufreißenden und ihre Vampirzähne fletschenden Gräfin Dracula ist im Hintergrund in der linken Hälfte offenkundig jene Szene dargestellt, in der sich Angelo und Maria in der Kapelle im wahrsten Sinne des Wortes unter den Schutz des Kreuzes stellen, während die Gräfin draußen tobt.

• Das quadratische Format der MC-Variante zeigt an den Rändern weniger als die Illustration der LP; Gräfin Draculas Haare sind nur auf dem LP-Cover vollständig abgebildet; zudem verdeckt auf der MC der "ab 12 Jahre"-Balken die auf der LP sichtbare Fledermaus, die am Hals der Gräfin als Mantelschließe dient.

• Die Illustration der LP weist gegenüber der MC nur geringfügige Unterschiede in der Kolorierung auf. Das Mauerwerk links vom kleinen Fenster und auch am rechten Rand des Bildes liegt auf der LP weitaus stärker im Schatten als bei der MC-Variante. Gräfin Draculas Haarsträhnen unterhalb des Kapelleneingangs sind auf der MC nicht ganz so detailliert ausgeführt; zudem ist dort ein Bereich des auf der LP pink eingefärbten Fußbodens weiß geblieben. Aber auch die LP weist einen Farbfehler auf: die untersten, nur auf der LP sichtbaren Strähnen an dieser Stelle sind seltsamerweise orange, als hätten sich hier Gelb und Pink vermischt? Daß der Umriß der draußen vom Mondlicht beschienenen Vampirin auf der LP durch entsprechende Farbtupfer ein Gesicht (Nase, Wangenknochen und Mund) erkennen läßt, geht auf der MC verloren.

• Auf der Vorderseite der 1981er LP-Hülle hat sich beim Setzen des Titels zwischen "Dracula" und dem Komma ein überflüssiges Leerzeichen eingeschlichen - auf der Rückseite ist der große Titel hingegen fehlerfrei, auf der 1981er MC ebenfalls.

• Für das Cover der ersten 1987er Neuausgabe beschränkte man sich auf den Kopf der Gräfin Dracula (ohne Fledermaus am Hals) und deutete mit einem stilisierten Gebirge am Horizont der futuristischen Gitternetz-Landschaft wohl die Karpaten an, obwohl die Geschichte ausnahmslos an der portugiesischen Meeresküste spielt.

• Die 1999 veröffentlichten Tonträger basieren allesamt auf der Illustration der LP von 1981.

• Für die digitale Version im Streaming bzw. als Download wurde das CD-Cover von 1999 gewählt.

   
Gemälde Vorlagen:
• Das Porträt von Gräfin Dracula weist nicht nur eine starke Ähnlichkeit mit der Schauspielerin Evelyne Kraft in ihrer Titelrolle der westdeutschen Horrorfilmklamotte Lady Dracula von 1975 auf, es ist sogar mit einem für ein entsprechendes Filmplakat verwendeten Foto zweifelsfrei identisch.

• Die Silhouette der - fast schon eher tänzelnden als wütenden - Vampirin auf dem Felsvorsprung, der Kapelleneingang mitsamt der Wand und das doch sehr konkret gezeichnete Paar dürften jeweils für sich getrennte Bildelemente sein, die verschiedenen Quellen entnommen und für diese Illustration zusammenmontiert worden sind. Ihre Herkunft ist vorerst unklar.


Bilderzimmer / Lady Dracula (BRD, 1975) - Filmplakat und Standfoto

   
Zur Sprecherliste:
• Ernst von Klipsteins Nachname wird in der gedruckten Sprecherliste - wie so oft - falsch geschrieben. Dieser Tip(p)fehler zieht sich durch alle Ausgaben.

• Der Händler Pedro Faria wird in der Sprecherliste der 1981er LP fälschlicherweise als "Pedro Paria" notiert.

• Während Katharina Brauren, Ernst von Klipstein und Marianne Kehlau ihren jeweiligen Abgang selbst gekreischt haben dürften, handelt es sich bei den letzten Rufen des Wahnsinnigen in der Bucht allem Anschein nach um eine Schreikonserve, die verdächtig nach Mathias Green in Die drei ??? und der grüne Geist klingt und eine Variation dieser Aufnahme sein könnte; eine etwas längere Fassung - mit Gejaule vorneweg - ist in Horror Pop Sounds zu hören (siehe unten).

   
Schauplatz Schauplatz:
• Das "Haus Heinrichs des Seefahrers" befindet sich in der portugiesischen Region Algarve tatsächlich zwischen der Hafenstadt Sagres und dem Leuchtturm am Cabo de São Vicente; es ist die von hohen Mauern umgebene Fortaleza de Beliche, die neben zwei niedrigen Gebäuden auch einen Turm nebst Zugbrücke und eine Kapelle umfaßt. Die Festung steht direkt an der Steilküste und beherbergte etwa seit den 1960er Jahren ein Restaurant mit einigen Hotelzimmern; H. G. Francis wird wohl Ende der 1970er bzw. Anfang der 1980er Jahre dort gewesen sein? Da die Wellen unaufhörlich an den Klippen nagen, gilt das Areal inzwischen als einsturzgefährdet. Wir haben im Jahre 1998 erste Informationen zusammengetragen (zu einer Zeit, als diese im Internet spärlich gesät waren).

• Daß Seeräuber falsche Leuchtfeuer gelegt haben, um Schiffe anzulocken und sie an den Klippen zerschellen zu lassen, kam H. G. Francis womöglich nicht an der portugiesischen Steilküste, sondern vielmehr bei seinem Urlaub an der bretonischen Côte des Légendes nahe Le Folgoët und Brignogan-Plages in den Sinn ...


Schauplatz / Fortaleza de Beliche
Bibliothek / Reiseberichte / Brignogan-Plages

   
Zur Musik:
Gräfin Dracula, Tochter des Bösen wird in der originalen Fassung von zweierlei Orgelmusik, zwei orchestralen Musikstücken (Die Monstermumie / Koboldschreck) und sechs Werken Carsten Bohns von März 1979 (Frankenstein & Dracula) und April 1980 (Guitarrero Come Down / Theme For More Or Less Musicians / Release Theme / Flaggio Let Me Be Like I Am / Miles Smiles Ahead) untermalt, die unterschiedlich häufig - mitunter in anderen Teilen - wiederkehren. Die Orgelmusik ist bereits 1970 für Dracula - Jagd der Vampire aufgenommen und gelegentlich wiederverwendet worden, so u.a. für das blaue Phantom in Die drei ??? und das Gespensterschloß, aber natürlich auch in Dracula, König der Vampire, so daß die akustische Begleitung der Auftritte der Gräfin Dracula als bewußtes Zitat zu deuten ist, ähnlich wurde dies auch bei Draculas Insel, Kerker des Grauens so gehandhabt. Die beiden vom London Philharmonic Orchestra eingespielten Musikstücke Die Monstermumie und Koboldschreck scheinen für die Gruselserie komponiert und aufgenommen worden zu sein; Die Monstermumie taucht in zehn Hörspielen der Serie und damit sehr häufig auf, Koboldschreck hingegen nur hier, zwei Jahre später wurde diese Musik fester Bestandteil der Macabros-Titelsequenz. Carsten Bohns 1979 für Dracula trifft Frankenstein komponiertes Thema Frankenstein & Dracula ist in Gräfin Dracula, Tochter des Bösen mit den ersten beiden Teilen dabei: zum einen Teil 1 als Titelmelodie, zum anderen Teil 2 (Marsch der Monster auf Horror Pop Sounds) als langsame Variante, die ansonsten nur in Fünf Freunde im Nebel, Die drei ??? und der Zauberspiegel und in Draculas Insel, Kerker des Grauens verwendet worden ist. Guitarrero Come Down, Theme For More Or Less Musicians, Release Theme, Flaggio Let Me Be Like I Am und Miles Smiles Ahead sind vergleichsweise neu und fanden u.a. seit der dritten Die drei ???-Staffel (Oktober 1980) ab Die drei ??? und die Geisterinsel bzw. seit der vierten Staffel ab Die drei ??? und der verschwundene Schatz ausführlich Verwendung.

• Der auf Horror Pop Sounds enthaltene Titel Blutfürstin Dracula ist Carsten Bohns Miles Smiles Ahead, das in Gräfin Dracula, Tochter des Bösen zumindest einmal auftaucht - im Gegensatz zu dem in Blutfürstin Dracula hineinmontierten Gekicher und Monstergebrüll sowie dem zweimal eingespielten, anschwellenden Schrei Heikedine Körtings, der aus Die drei ??? und der seltsame Wecker hinlänglich bekannt ist und hier offenbar an Marianne Kehlaus Gekreische erinnern soll; einzig und allein der Wahnsinnige - genauer gesagt: die Schreikonserve vor seinem Sturz ins Wasser - hat in der Mitte von Blutfürstin Dracula einen kurzen Auftritt. Bei dem Titel Gräfin Draculas Song handelt es sich um Carsten Bohns Kinda Sad And Sometimes Too, das mit Gräfin Dracula, Tochter des Bösen wiederum nichts zu tun hat.

   
Sonstiges:
• In den Dialogen erinnern zwei Formulierungen von Pedro Faria an frühere bzw. spätere Hörspiele: Wenn er Gräfin Dracula ins Gesicht sagt, sie habe "einen Pakt mit dem Teufel geschlossen", scheint bereits hier Folge 11 anzuklingen und bei seiner vom Regen durchtränkten Frage vor der Eingangstür - "Oder wollen Sie, daß wir naß bis auf die Haut werden?" - stand H. G. Francis wohl gedanklich vor dem Schloßhotel ...

• Mit dem US-Horrorfilm The Child von 1977 hat Gräfin Dracula, Tochter des Bösen nichts zu tun, allerdings trug der Film hierzulande den deutschsprachigen Nebentitel Tochter des Bösen.

• Bei der akustischen Umsetzung einer geschlossenen Psychiatrie in Die drei ??? (99): Rufmord hielt André Minninger es für angebracht, dies mit unzähligen Schreien jedweder Couleur zu bewerkstelligen; hierfür wurde auch - mehrere Male - Amalia Rodriguez' Klippensturz recycelt.

   
Serienproduktion im Hörspiel-Labor:
• Vieles wurde im Tonstudio EUROPA zeitgleich zu Gräfin Dracula, Tochter des Bösen produziert. Interessante Parallelen zeigen sich in diesen Hörspielen:
Gruselserie (3): Dracula, König der Vampire
Gruselserie (5): Der Angriff der Horrorameisen
Gruselserie (6): Das Duell mit dem Vampir
Gruselserie (7): Die Begegnung mit der Mörder-Mumie
Gruselserie (9): Im Bann der Monsterspinne
Gruselserie (10): Draculas Insel, Kerker des Grauens

• Günther Ungeheuer wird an demselben Tag seiner Aufnahmen zu Dracula, König der Vampire die Erzählertexte für alle weiteren neu produzierten Hörspiele der ersten Gruselserie-Staffel (auch für Das Duell mit dem Vampir) aufgenommen haben.

• Die Folgen 7, 8, 9 und 10 hängen mit etlichen gemeinsamen Sprecherinnen und Sprechern produktionstechnisch eng zusammen, vor allem weil Gabi Libbach und Horst Stark in den beiden aufeinanderfolgenden Geschichten Gräfin Dracula, Tochter des Bösen und Im Bann der Monsterspinne das Protagonisten-Pärchen verkörpern. Ernst von Klipstein ist in Folge 9 als Diener Ben dabei; Michael von Rospatt durfte mit dem Matrosen Jim in Folge 10 eine weitere kleine Rolle einsprechen und warnte in Folge 7 schreiend vor den Reitern des Horus.

• Weitaus auffälliger jedoch sind die Parallelen zu Folge 3: Katharina Brauren, Horst Stark, Ernst von Klipstein und Marianne Kehlau bekamen offensichtlich vor oder nach ihren Aufnahmen zu Gräfin Dracula, Tochter des Bösen noch jeweils eine Nebenrolle für Dracula, König der Vampire in die Hand gedrückt: Katharina Brauren und Horst Stark sitzen anfangs in der Kutsche, Ernst von Klipstein mimt den Kutscher und Marianne Kehlau fordert später vor den Schloßmauern von Graf Dracula ihr Kind zurück.

   
Schloßchronik Zur Chronologie:
Gräfin Dracula, Tochter des Bösen gehörte 1980/81 zu jenen sieben Hörspielen der Gruselserie, die neu entstanden, um gemeinsam mit den drei wiederveröffentlichten Einzelhörspielen Frankensteins Sohn, Dracula trifft Frankenstein und Das Gespenst vom Schloßhotel eine zehn Folgen umfassende erste Staffel an den Start bringen zu können; von diesen sieben machten zwei Hörspiele wohl den Anfang (Der Angriff der Horrorameisen und Das Duell mit dem Vampir), indem sie noch als Einzelhörspiele konzipiert gewesen sein könnten. Alle übrigen fünf Geschichten scheinen relativ zügig hintereinander gezielt für die neue Gruselserie geschrieben und anschließend zeitgleich produziert worden zu sein - und von diesen fünf Folgen griffen gleich drei Hörspiele auf den Dracula-Stoff zurück.

• Es darf getrost vermutet werden, daß Dracula, König der Vampire das erste Dracula-Hörspiel war, das H. G. Francis der Gruselserie hinzufügte. Der exakte Produktionsablauf der Folgen 3, 7, 8, 9 und 10 liegt jedoch im Dunkeln. Francis wird seine Drehbücher wohl irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 1980 im Tonstudio EUROPA abgeliefert haben. Dort wurden die Folgen 7, 8, 9 und 10 - mehrere Übereinstimmungen bei den Sprecherinnen und Sprechern legen das nahe (siehe oben) - parallel zueinander produziert, dies kann 1980 bereits begonnen und im Extremfall theoretisch noch bis in den März 1981 hinein gedauert haben. Es wäre durchaus von Interesse, wann genau H. G. Francis seine Fassung des Dracula-Romans - um genau zu sein: des ersten Roman-Sechstels - fertigstellte und ob dies recht frühzeitig geschah oder ob das Skript doch eher überstürzt realisiert wurde (kaum daß Charles Regnier dem Tonstudio EUROPA womöglich kurzfristig zugesagt hatte?). Immerhin ist davon auszugehen, daß Francis nach Dracula, König der Vampire das Hörspiel Draculas Insel, Kerker des Grauens aus wenigen Dracula-Sätzen heraus entwickelt haben dürfte, die er höchstwahrscheinlich unmittelbar vor Regniers Besuch bei Heikedine Körting schnell erdacht hatte und erst hinterher zu einem vollständigen Skript erweiterte. Ob dem Grafen Dracula auf seiner Insel zunächst eine größere Rolle zugesprochen worden war, ob Francis also bei der Ausarbeitung der Geschichte auf diverse von Regnier aufgenommene Dracula-Sätze verzichtete, weil sie sich nicht mehr in die Geschichte einfügen ließen, wissen wir nicht. Ebenso denkbar wäre es, daß auch in Gräfin Dracula, Tochter des Bösen ein Auftritt des nunmehr väterlichen Blutsaugers vorgesehen war, daß dann aber Regniers hierfür eingesprochene Sätze vollständig den Reißwölfen zum Fraß vorgeworfen wurden, weil Franciskowsky möglicherweise beschloß, in diesem Hörspiel den Bezug zum Grafen Dracula lediglich zu behaupten, ohne ihn selbst unter Zuhilfenahme irgendeiner dramaturgischen Brechstange auftreten zu lassen. Für diese Theorie gibt es keinerlei Belege - es spricht aber auch nichts dagegen. Oder wie es die Gräfin formulieren würde: Kann man das wissen?

• Im fertigen Hörspiel fällt es leicht, sich die vier Reisenden im Tonstudio als Ensemble vor den Mikrofonen vorzustellen, möglicherweise gar zusammen mit der Gräfin, zumal Marianne Kehlau und Ernst von Klipstein verheiratet waren. Letztlich darf es allein bei Horst Stark und Gabi Libbach als gesichert gelten, daß sie die Dialoge gemeinsam einsprachen - und das nicht nur, weil sie ganz offensichtlich unmittelbar vorher oder hinterher zudem Im Bann der Monsterspinne waren, sondern auch, weil Horst Stark sich nach dem abrupten Ende der Kutschfahrt auf eine Weise versprochen hat, die nur im Zusammenspiel mit Gabi Libbach einen Sinn ergibt, schließlich entfährt ihm ein "Ma-...", bevor Maria um Hilfe ruft. Da er erst anschließend "Maria ... Maria, bist du verletzt?" fragt, scheint es, als sei ihm der Satzanfang als zu früher Ausruf im Halse stecken geblieben - alleine vor dem Mikrofon wäre ihm das nicht passiert. Ernst von Klipstein wird wohl mit den beiden aufgenommen haben (daß in seinem letzten Dialog nach "Als ob ich ein kleines Kind wäre!" ein deutlicher Schnitt zu hören ist, muß nichts zu bedeuten haben); bei Katharina Brauren und Marianne Kehlau ist dies zwar weniger wahrscheinlich, aber keineswegs ausgeschlossen, immerhin haben alle außer Gabi Libbach zuvor oder anschließend jeweils eine Nebenrolle für Dracula, König der Vampire beigesteuert.

• Daß Gabi Libbach und Horst Stark gemeinsam im Tonstudio waren, um für die Gruselserie gleich zweimal hintereinander ein die Hörspielhandlung tragendes Paar zu übernehmen, ist durchaus erstaunlich. Auch weil Gernot Endemann in mehreren Folgen der ersten Staffel der Gruselserie zu hören ist, drängt sich der Gedanke auf, alle drei könnten eigentlich für neue Commander Perkins-Hörspiele gebucht worden sein. Zeitlich käme das hin, denn mit Das Mittlere Auge war Folge 9 bereits 1980 erschienen, danach mußten Commander Perkins-Fans Geduld aufbringen: noch in der zweiten Jahreshälfte 1981 kündigte EUROPA im "Kinder- und Jugendprogramm 1981/82" Folge 10 und 11 an, die jedoch nie produziert worden sind (allenfalls gab es von Francis verfaßte Exposés). Bevor Commander Perkins irgendwann im Jahre 1981 nicht mehr ad astra startete, sondern endgültig ad acta gelegt wurde, könnte es durchaus noch mehr oder minder ausgereifte Ansätze zur Fortführung gegeben haben: ob wohl in der zweiten Jahreshälfte 1980 oder Anfang 1981 mit Horst Stark und Gabi Libbach ein gemeinsamer Termin hierfür vereinbart wurde? Doch als dem Dimensionsbrecher wegen zu niedriger Verkaufszahlen die Energie ausging, bekamen Randy Perkins und Cindy Common nichts Intergalaktisches, sondern Gruseliges auf den Tisch? Sind Gräfin Dracula, Tochter des Bösen und Im Bann der Monsterspinne also gewissermaßen die eigentlichen Commander Perkins-Folgen 10 und 11? Die Antworten auf diese Fragen sind verschollen in der Unendlichkeit ...

   
Fehler:
 

Fehler / Gräfin Dracula, Tochter des Bösen
   
Kommentare:
 

Kommentare / Gräfin Dracula, Tochter des Bösen
   
Gruselalmanach:
 

Gruselalmanach / Dracula, Gräfin
Gruselalmanach / Faria, Pedro
Gruselalmanach / Hai
Gruselalmanach / Kutscher (08)
Gruselalmanach / Menares, Angelo
Gruselalmanach / Wahnsinniger
   
 


 

© Die Gruselseiten (22. Februar 2026)