Schriftzug

 Fledermäuse 
"Wir werden Wochen brauchen, bis wir alles katalogisiert haben."
(Dr. Erich Jansing in "Die Begegnung mit der Mörder-Mumie")

 

Cover Cover
Dracula, König der Vampire (3)

Klappentext:
Ein düsteres Schloß in den Karpaten - Draculas Schlupfwinkel. Jonathan Harker und seine Verlobte Mina als Gefangene eines unbekannten Wesens von nicht vorstellbarer Grausamkeit! Unsagbare Dinge passieren! Die Stunde des Todes naht, die Maske des Grafen fällt ...
   
  Besetzung (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

Jonathan HarkerGünther Ungeheuer 
1. FahrgastKatharina Brauren 
MinaReinhilt Schneider 
2. FahrgastHorst Stark 
KutscherErnst von Klipstein[Ernst von Klippstein]
Graf DraculaCharles Regnier 
1. VampirbrautBarbara Focke[Ingrid Dreier]
2. VampirbrautKarin Lieneweg[Dörthe Kiesling]
3. VampirbrautSusanne Wulkow[Elise Gruber]
FrauMarianne Kehlau 

   
  Produktionsnotizen (der Erstausgabe):
Hörspiel von H. G. Francis (nach dem Roman von Bram Stoker)
Regie: Heikedine Körting
Musik und Effekte: Bert Brac
Eine Studio EUROPA-Produktion
Künstlerische Gesamtleitung: Dr. Beurmann
   
Zur Editionsgeschichte:
• Diese Folge ist bislang auf acht verschiedenen Tonträgern sowie digital im Streaming bzw. als Download veröffentlicht worden; das Hörspiel liegt in sieben unterschiedlichen Fassungen vor.
• Den Gruselseiten ist seit 1998 eine Muster-LP bzw. Probepressung gemeldet worden, deren Label das handschriftlich notierte Datum des 25.03.1981 trägt.

??.04.1981LP115 676.4Fassung 1Ab 12 Jahre
??.04.1981MC515 676.9Fassung 1Ab 12 Jahre
??.??.1987MC516 430.3Fassung 2Ab 12 Jahre
03.05.1999CD74321 66234 2Fassung 3.1Ab 14 Jahre
03.05.1999MC74321 66234 4Fassung 3.2Ab 14 Jahre
??.??.20??CD74321 66234 2Fassung 4.1Ab 14 Jahre
??.??.20??MC74321 66234 4Fassung 4.2Ab 14 Jahre
16.10.2015LP74321 66234 1Fassung 5Ab 12 Jahre
26.03.2017digital Fassung 4.1 (?)Ab 14 Jahre

   
Zu den Fassungen:
• Ein vollständiger Versionsvergleich zwischen Fassung 1, Fassung 2 und Fassung 3 ist hier auf den Gruselseiten in der Bibliothek nachzulesen.
• Bereits in der Fassung 2 wurde Carsten Bohns Musik nahezu gänzlich entfernt und überwiegend durch neue orchestrale Stücke ersetzt; 1999 fügte man wiederum neuere Musik hinzu.
• Für die Fassung 2 wurde die letzte Szene mit veränderter Geräuschkulisse neu abgemischt - ein für Neuausgaben ungewöhnliches Vorgehen. Anlaß hierfür war Carsten Bohns Musik im Hintergrund, die man offenbar nicht mit einer zweiten Musik übertünchen konnte, ohne daß der Dialog danach noch zu verstehen gewesen wäre?
• Die Fassungen 3.1 und 3.2 weichen wohl nur in der Hörspielmitte (Seitenwechsel der MC) voneinander ab; dort sind unterschiedliche Musiken eingesetzt worden. Während in Fassung 3.2 die erste MC-Seite mit der Mixtur aus Nacht des Werwolfs (alternative Einspielung) und Frankenstein & Dracula, Teil 2, langsame Variante (Bass-Abmischung) und darüber montierter Musik Dracula's Drawbridge ausklingt und die zweite MC-Seite 2 mit Bloodsquirt beginnt, vollzieht sich auf der CD der nahtlose Wechsel zur zweiten Hälfte mit der neu einsetzenden Musik Dracula's Drawbridge und darauffolgender Musik aus ??? (079) »Im Bann des Voodoo«: "Bewitched". Dies gilt auch für die Fassungen 4.1 und 4.2.
Dracula, König der Vampire ist nach der Fassung 3 von 1999 erneut bearbeitet worden, um in zwei Passagen stärker von Carsten Bohns Musik abzulenken, die dort in der 1987er Neuausgabe und auch noch in der 1999er Neuausgabe nur unzureichend verdeckt worden war. Seitdem weisen in der Fassung 4 zwei Szenen eine weitere Musik auf; zudem wurde an der ersten Stelle zwischen Szenenende und Erzählertext gekürzt, wodurch sich die Laufzeit insgesamt um wenige Sekunden verringert hat. Der genaue Zeitpunkt dieser Bearbeitung ist unklar und wird bei den Hörspielforschern nur deshalb auf 2001 geschätzt, weil das zweimal neu eingefügte Musikstück in anderen, anno 2001 erschienenen Tonträgern auftaucht. Ob außerdem weitere Veränderungen etwa in den Dialogen lauern, ist noch nicht systematisch überprüft worden; bislang wurden keine Bearbeitungen entdeckt.
• Die Picture Vinyl von 2015 folgt der Fassung 4, orientiert sich als zweiseitiger Tonträger aber nicht an der Abmischung der ebenfalls zweiseitigen MC; vielmehr wurde die 2015er LP mit der CD-Fassung 4.1 gemastert. Der Seitenwechsel trennt Dracula's Drawbridge (als Ende von Seite 1) und die Musik aus ??? (079) »Im Bann des Voodoo«: "Bewitched" (als Anfang von Seite 2) voneinander, weshalb dies als eigenständige Fassung 5 zu werten ist.


Bibliothek / Versionsvergleich: Dracula, König der Vampire (1981) || Dracula (1987) || Dracula, König der Vampire (1999)

   
Zur ersten Neuausgabe:
Dracula, König der Vampire gehört zu den zehn 1981/1982 neu veröffentlichten Hörspielen der Gruselserie, die in der ersten 1987er Neuausgabe in einer überarbeiteten Fassung und mit verkürztem Titel erschienen sind. Dracula war Folge 1.
   
Zur zweiten Neuausgabe (Die Rückkehr der Klassiker):
• Fassung 4 ist irgendwann ab 2001 sowohl als CD wie auch als MC veröffentlicht worden, ohne daß Fassung 3 und Fassung 4 an ihrem Äußeren voneinander zu unterscheiden wären. CDs lassen sich identifizieren, sobald beim Einlegen in den CD-Player die Gesamtlaufzeit angezeigt wird bzw. wenn im CD-Laufwerk des Rechners die Metadaten ausgelesen werden: Fassung 3.1 ist 41:04 min., Fassung 4.1 hingegen 40:59 min. lang. Die MCs müssen auf klassische Weise überprüft und angehört werden: wenn ab Minas "Siehst du, Jonathan? Da ist das Schloß." neben der 1987 hinzugefügten orchestralen Musik (Lurking Creatures, No. 1) auch neuartige Synthesizer-Klänge (Christopher's Palace) ertönen, handelt es sich um die Fassung 4.
Dracula, König der Vampire ist die einzige Folge der Gruselserie, die nach der 1999/2000er Neuausgabe zusätzlich auf LP veröffentlicht worden ist. Zum eigenen 50jährigen Jubiläum veröffentlichte EUROPA am 16.10.2015 fünf Hörspiele aus dem umfangreichen Fundus auf Picture Vinyl - neben Die drei ??? und der rasende Löwe (15), TKKG - Die Jagd nach den Millionendieben (1), Fünf Freunde beim Wanderzirkus (1) und Der Struwwelpeter / Max und Moritz war mit Dracula, König der Vampire auch die Gruselserie vertreten. Die Neuausgabe war im EUROPA-Shop anfangs für 15,99 € erhältlich. Diese Schallplatte enthält eine neue Fassung 5 (siehe oben). Die Plattenhülle war auf der Vorderseite wie auch auf der Rückseite - zumindest in der oberen Hälfte - der LP von 1981 nachempfunden, aber nicht restlos mit ihr identisch. Während die Rückseite vor allem an ihrer unteren Hälfte - unter der komplett bindestrichlosen Zeile "Die 50 Jahre EUROPA Jubiläumsedition" befinden sich Abbildungen der vier anderen Jubiläums-Tonträger - sofort als Neuauflage zu erkennen ist, muß man auf der Vorderseite ein wenig genauer hinsehen: auf dem Cover der 2015er Neuausgabe fehlen die Bestellnummer über dem EUROPA-Logo, das STEREO-Emblem unten links und die Folgennummer in der unteren rechten Ecke; zudem ist "Ab 12 Jahre" in einer anderen Schriftart gehalten. Auf der Rückseite hat sich übrigens ein kurioser Fehler eingeschlichen, denn am Ende des Klappentextes fällt nicht die "Maske des Grafen", sondern die "Maske des Grauens" ...
   
Zum Cover:
• Die Illustration zu Dracula, König der Vampire ist älteren Datums; sie war von Olof Feindt unter seinem Künstlernamen "Van Vindt" bereits 1976 für Dracula - Die Geschichte des berühmten Vampirs, die Neuausgabe des 1970 erstmals erschienenen Hörspiels Dracula - Jagd der Vampire angefertigt worden. Das Motiv lehnte sich grob an das 1970er Original an, das ebenfalls den Vampirgrafen über seinem Schloß und der Kutsche darstellt. Olof Feindt präsentiert auf seiner Homepage die Illustration ohne Schriftzüge und ohne EUROPA-Logo; ob es sich hier um die originale Illustration handelt, ist unklar - er könnte auch einfach ein LP-Cover entsprechend bearbeitet und eingeschwärzt haben.
• Da die Cover-Bilder der in die Gruselserie übernommenen Hörspiele Frankensteins Sohn, Dracula trifft Frankenstein und Das Gespenst vom Schloßhotel ohnehin von Olof Feindt stammten, übernahm man sein Dracula-Motiv für das nun von H. G. Francis neu geschriebene Dracula-Hörspiel, ließ aber die Kutsche weg. Draculas Hinterkopf und ein nur schemenhaft erkennbares Objekt im Hintergrund wurden entweder für die neue Version der Gruselserie hinzugefügt, oder aber sie sind auf Feindts Originalzeichnung zu sehen und waren lediglich 1976 hinter dem DRACULA-Schriftzug verschwunden? Die LP zeigt links klar und deutlich neben dem Geäst auch den dazugehörigen Baumstamm, während dieser auf der MC nicht auf den quadratischen Ausschnitt gepaßt hat.
• Die Illustration der LP weist gegenüber der MC keine Unterschiede in der Kolorierung auf.
• Für das Cover der ersten 1987er Neuausgabe beschränkte man sich auf den Kopf des Grafen Dracula und deutete mit einer Hügelkette am Horizont der futuristischen Gitternetz-Landschaft wohl die Karpaten an.
• Die 1999 und 2015 veröffentlichten Tonträger basieren allesamt auf der Illustration der LP von 1981.
• Für die digitale Version im Streaming bzw. als Download wurde das CD-Cover von 1999 gewählt.

 olof-feindt.de / Illustrationen / Dracula - Die Geschichte des berühmten Vampirs

   
Gemälde Vorlagen:
• Für seine bereits 1976 erstellte Cover-Illustration von Dracula - Die Geschichte des berühmten Vampirs griff Olof Feindt auf ein Motiv zurück, das er bereits etwa zwei Jahre zuvor für den im Martin Kelter-Verlag publizierten Geister-Krimi gezeichnet hatte; der hinter seinem Schloß hervorlugende Vampir zierte die Titelseite der ersten Hefte.
• Olof Feindt entwickelte seine Zeichnung von 1974 weiter, indem er dem Vampirgrafen die Gesichtszüge des Standbilds aus dem Film Horror Of Dracula (1958) verpaßte, welches Hauptdarsteller Christopher Lee in jenem Augenblick zeigt, als Graf Dracula in seinem Sarg erwacht, weil Jonathan Harker eine Vampirbraut pfählt. Höchstwahrscheinlich war Feindts direkte Vorlage ein Filmplakat, das dieses Standbild als gezeichnetes Porträt u.a. zusammen mit geisterhaftem Geäst am linken Bildrand zeigt.
• Feindt war nicht der einzige, der Dracula mit exakt dieser Grimasse recycelt hat: ein Horrorzeichner namens Maren steckte den zähnefletschenden Vampir mit anderen Dämonen in einen Bilderrahmen und diese Illustration inspirierte Jason Dark zum John Sinclair-Roman Nr. 464, Gemälde des Grauens.
• Die Cover-Illustration von Dracula - Die Geschichte des berühmten Vampirs diente wiederum als Vorlage für die Fassade der begehbaren Geisterbahn Horror-Trip, die vermutlich ab den 1980er Jahren, in den 1990er Jahren und auch nach der Jahrhundertwende noch regelmäßig auf dem Hamburger Dom stand.


Bilderzimmer / Geister-Krimi: Schloß mit Vampir (1974)
Bilderzimmer / Christopher Lee: Horror Of Dracula (1958)
Bilderzimmer / John Sinclair: Gemälde des Grauens (1987)
Bilderzimmer / Horror-Trip - Geisterbahn auf dem Hamburger Dom

   
Zur Sprecherliste:
• Ernst von Klipsteins Nachname wird in der gedruckten Sprecherliste - wie so oft - falsch geschrieben. Dieser Tip(p)fehler zieht sich durch alle Ausgaben.
• Die Sprecherinnen der drei Vampirbräute werden allesamt hinter Pseudonymen verborgen. Der Grund hierfür erscheint rätselhaft, zumal Barbara Focke, Karin Lieneweg und Susanne Wulkow hier ihren einzigen Auftritt in der Gruselserie absolvieren - ein zu häufiger Einsatz mußte also nicht verschleiert werden. Die drei Sprecherinnen könnten derart spät ausgewählt worden sein, daß für den Druck von LP-Hülle und MC-Einleger erfundene Namen herhalten mußten. Da Barbara Focke in keinem einzigen EUROPA-Hörspiel jener Zeit namentlich erwähnt wird, scheint sie Wert auf Anonymität gelegt zu haben, weshalb sich alle drei ebenso gut darauf geeinigt haben könnten, die wahren Urheberinnen sämtlicher Vampirbräute zu vertuschen?
• Im Hörspiel werden wir Ohrenzeuge, wie die erste Vampirbraut gepfählt wird. Welche der drei Sprecherinnen hier schreit, ist unklar bzw. könnte es auch jemand anders gewesen sein - Heikedine Körting vielleicht?
   
Zur Musik:
Dracula, König der Vampire wird in der originalen Fassung von zweierlei Orgelmusik, zwei orchestralen Musikstücken (Music from »Snow White«, No. 18a: Magic Spell / Nacht des Werwolfs (alternative Einspielung)) und fünf Werken Carsten Bohns von März 1979 (Frankenstein & Dracula) und April 1980 (Flaggio Let Me Be Like I Am / Miles Smiles Ahead / Function Proof / Eva's Decision) untermalt, die unterschiedlich häufig wiederkehren. Die Orgelmusik ist bereits 1970 für Dracula - Jagd der Vampire aufgenommen und gelegentlich wiederverwendet worden, so u.a. für das blaue Phantom in Die drei ??? und das Gespensterschloß. Die orchestrale Musik stammt zum einen von Bill Holcombe und ist ursprünglich im Jahre 1969 auf dem US-amerikanischen Album Snow White and the Seven Dwarfs unter dem für Kinder gedachten Label "Happy House" der von Dave Miller gegründeten Schallplattenfirma Haddon Record Corp. erschienen. Außerdem erklingt in Dracula, König der Vampire das Orchesterstück Nacht des Werwolfs (hier in einer alternativen Einspielung), das für die Gruselserie komponiert und aufgenommen worden zu sein scheint. Carsten Bohns 1979 für Dracula trifft Frankenstein komponiertes Thema Frankenstein & Dracula ist in Dracula, König der Vampire mit den ersten beiden Teilen dabei: zum einen Teil 1 als Titelmelodie wie auch als eine auf die Synthesizer beschränkte Version (die sehr selten und wahrscheinlich nur hier zu hören ist), zum anderen Teil 2 (Marsch der Monster auf Horror Pop Sounds) als stark verlangsamte Bass-Abmischung, wie sie bereits in Dracula trifft Frankenstein viele unheimliche Szenen verstärkte und auch beispielsweise in Der Angriff der Horrorameisen und Das Duell mit dem Vampir verwendet worden ist. Flaggio Let Me Be Like I Am, Miles Smiles Ahead, Function Proof und Eva's Decision sind vergleichsweise neu und fanden u.a. seit der dritten Die drei ???-Staffel (Oktober 1980) ab Die drei ??? und die Geisterinsel bzw. seit der vierten Staffel ab Die drei ??? und der verschwundene Schatz ausführlich Verwendung.
• Der auf Horror Pop Sounds enthaltene Titel Draculas Gruft besteht aus zwei unterschiedlichen, aufeinanderfolgenden Musikstücken - das Orgelspiel zu Beginn ist tatsächlich Teil von Dracula, König der Vampire, das folgende Another One Of Those Ups And Downs von Carsten Bohn aber nicht.
   
Sonstiges:
• Der Hinweis, daß H. G. Francis Dracula, König der Vampire "nach dem Roman von Bram Stoker" schrieb, findet sich auf jedem Tonträger, selbst in den Folgenlisten der EUROPA-Jugend-Kalender wurde dies mittels Sternchen und der damit verbundenen Anmerkung "nach Bram Stoker" betont. Da beim vorherigen Hörspiel von Konrad Halver noch "frei nach dem Roman von Bran Stoker" stand, stellt sich durchaus die Frage, ob dies nicht auch bei der neuen Adaption gerechtfertigt gewesen wäre? Immerhin beschränkte sich Franciskowsky auf das erste Sechstel des Romans mit Jonathan Harkers Tagebuchaufzeichnungen zum Besuch im Schloß des Grafen Dracula, wobei er Harker - nicht vorlagengetreu - seine Verlobte Mina zur Seite stellte und überdies einen neuen Schluß dichtete, in dem Dracula in seiner eigenen Gruft in einen Eichensplitter hineinstolpert.
• Als Franciskowsky die Hörspielfassung schrieb, war Bram Stokers Roman längst gemeinfrei geworden - welchen Text er verwendete, ist auf keinem Tonträger vermerkt. In Frage kommen nur zwei Vorgehensweisen: entweder hat Franciskowsky Stokers Roman in der Originalsprache gelesen und bei der Hörspielbearbeitung eigens ins Deutsche übertragen, oder aber er stützte sich auf eine der Übersetzungen. Zum Zeitpunkt der Hörspieladaption lagen verschiedene Texte von vier Übersetzern vor; drei Übersetzungen - von Stasi Kull (Pseudonym von H. C. Artmann) bei Hanser, Wolf Bergner bei Heyne und K. B. Leder bei Kossodo - waren erst 1967 veröffentlicht worden und galten demnach allesamt als urheberrechtlich geschützt. Schon allein deshalb deutet vieles auf die allererste und lange Zeit einzige Übersetzung von Heinz Widtmann aus dem Jahre 1908 hin (bei Max Altmann, Leipzig - eine 2. Auflage erschien dort im Jahre 1926). Tatsächlich finden sich viele Formulierungen des Hörspiels in Widtmanns Übersetzung wieder, die in jüngster Zeit hier und da als Taschenbuch neu aufgelegt worden ist. Die deutsche Erstausgabe von 1908 scheint recht selten zu sein und ist leider bis heute nicht als professionell erstelltes Digitalisat etwa einer Universitätsbibliothek aufgetaucht.
• Ein SPIEGEL-Artikel von 1967 über die "gewaltige Trivial-Mythologie" rund um Dracula ("Der große Durst", DER SPIEGEL Nr. 22/1967, 22.05.1967), in dem neben den neuen Übersetzungen auch Roman Polanskis Filmparodie angekündigt wird, bezeichnet den untoten Bösewicht in einem Absatz als "König der Vampire". Wie weit verbreitet dieser Beiname um das Jahr 1980 herum war, ist unklar.
• Der schrille, mit elektronischem Hall verlängerte Schrei der Frau, die am Fuße der Schloßmauer von den Wölfen zerrissen wird, ist auf der Fontana-Geräuscheplatte Geräusche in Stereo für Dia und Film (12): Menschliches enthalten (Ende von Track 27: "Schreiende Frau"), die 1979 erschien. Dieser Schrei ertönt auch in Das Duell mit dem Vampir in der ersten Szene, sowie in Horror Pop Sounds in Blutfürstin Dracula. Die EUROPA-Premiere dieses Schreis ist wohl zuvor in Die drei ??? und der seltsame Wecker im Uhrenzimmer erfolgt.
   
Serienproduktion im Hörspiel-Labor:
• Vieles wurde im Tonstudio EUROPA zeitgleich zu Dracula, König der Vampire produziert. Interessante Parallelen zeigen sich in diesen Hörspielen:
Gruselserie (5): Der Angriff der Horrorameisen
Gruselserie (6): Das Duell mit dem Vampir
Gruselserie (7): Die Begegnung mit der Mörder-Mumie
Gruselserie (8): Gräfin Dracula, Tochter des Bösen
Gruselserie (9): Im Bann der Monsterspinne
Gruselserie (10): Draculas Insel, Kerker des Grauens
Die drei ??? (24): ... und die silberne Spinne
Die drei ??? (25): ... und die singende Schlange
• Günther Ungeheuer wird an demselben Tag seiner Aufnahmen zu Dracula, König der Vampire auch die Erzählertexte für alle weiteren neu produzierten Hörspiele der ersten Gruselserie-Staffel (auch für Das Duell mit dem Vampir) aufgenommen haben; ob er bereits bei dieser Gelegenheit weitere Hörspielrollen einsprach, ist ungewiß und eher unwahrscheinlich (siehe unten).
• Charles Regnier nahm bei seinem Aufenthalt im Tonstudio EUROPA in der Agnesstraße neben der Titelrolle von Dracula, König der Vampire auch ganz gewiß seinen Part für Draculas Insel, Kerker des Grauens sowie den Chauffeur Bengt in Die drei ??? und die silberne Spinne auf, letzteres dem Vernehmen nach im Ensemble mit Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich (siehe unten).
• Daß die Sprecherinnen aller drei Vampirbräute auch jeweils eine Rolle in Die drei ??? und die singende Schlange haben, ist kein Zufall (siehe unten).
• Alle übrigen Nebenrollen wurden mit Sprecherinnen und Sprechern besetzt, die sich für die Aufnahmen anderer neuer Folgen der ersten Gruselserie-Staffel im Tonstudio EUROPA einfanden. Die Folgen 7, 8, 9 und 10 hängen mit etlichen gemeinsamen Sprecherinnen und Sprechern produktionstechnisch eng zusammen - mehr noch: Katharina Brauren, Horst Stark, Ernst von Klipstein und Marianne Kehlau haben bekanntlich allesamt wichtige Rollen in Gräfin Dracula, Tochter des Bösen.
   
Schloßchronik Zur Chronologie:
• Da die Gruselserie sich für ihren Start auch auf ältere Hörspiele in teilweise neuem Gewand verließ, wäre es zumindest denkbar, daß anfangs noch erwogen worden war, auf Konrad Halvers Dracula - Die Geschichte des berühmten Vampirs in der von Heikedine Körting bearbeiteten Fassung zurückzugreifen, es möglicherweise noch mal zu überarbeiten. Offenkundig sollte die Gruselserie aber doch aus der Feder eines einzigen Autoren stammen, so daß man für H. G. Francis' neue Fassung immerhin das Cover wiederverwenden konnte (siehe oben).

• Weil Dracula, König der Vampire Folge 3 geworden ist, muß dieses Hörspiel noch lange nicht die erste neu produzierte Folge der Gruselserie-Staffel gewesen sein - vielmehr spricht alles dafür, daß zuerst mit der Produktion von Der Angriff der Horrorameisen und Das Duell mit dem Vampir begonnen wurde. Dracula rückte wahrscheinlich allein aufgrund des Bekanntheitsgrads des klassischen Stoffs nach vorne; fast könnte man fragen, wieso ihm eigentlich nicht der erste Platz freigeräumt wurde?

• Für Dracula, König der Vampire sind wohl vier verschiedene Sprachaufnahmen anzunehmen: Charles Regnier alleine, Günther Ungeheuer mit Reinhilt Schneider, vier Nebenrollen sowie die drei Vampirbräute.

• Charles Regnier war in München ansässig und spielte 1980/1981 vornehmlich an der Kleinen Komödie in München sowie am Fritz Rémond Theater im Zoo von Frankfurt am Main. Dennoch wird er rege Verbindungen nach Hamburg unterhalten haben, da sein Bruder Henri langjähriger Unterhaltungschef des NDR war (mit ihm haben "die Beurmanns" laut Andreas Fröhlich im Bobcast zu Die drei ??? und die silberne Spinne öfters Tennis gespielt) und weil seine Tochter Carola Regnier zu jener Zeit auf Hamburger Bühnen zu sehen war. Dennoch kam Charles Regnier als extrem seltener Gast nur zweimal ins Tonstudio EUROPA, erstmals natürlich etwa 1970 für Dracula - Jagd der Vampire (inkl. Nebenrolle des Pontius Pilatus in Ben Hur) und das zweite Mal für die Neuaufnahme des Dracula-Stoffs. Sicherlich wurde Regnier hierbei auch die Dracula-Szene in Draculas Insel, Kerker des Grauens vorgelegt, ohne daß jene Folge bereits als vollständiges Drehbuch existiert haben muß. Es ist nur eine Vermutung, aber möglicherweise war der Besuch Regniers vergleichsweise überraschend zustandegekommen, noch während Autor Franciskowsky an den weiteren Folgen der Gruselserie schrieb, und er wurde wohl gebeten, schnell Regniers Sätze für eine kurze Szene in einem zweiten Dracula-Hörspiel runterzutippen (dergleichen hat sich öfters zugetragen, z.B. später mit Peter Pasetti bei Masters of the Universe). Ob Franciskowsky womöglich auch das Skript von Dracula, König der Vampire im Rekordtempo schreiben mußte, nachdem Regnier sich früher als gedacht angekündigt hatte? Ein Ding der Unmöglichkeit wäre es keineswegs und es könnte erklären, wieso sich Franciskowsky nur das erste Sechstel von Bram Stokers Roman vornahm.
Die Rolle des Dracula wurde bestimmt alleine eingesprochen, aber zufälligerweise kam Regnier ausgerechnet an jenem Tag - an einem Wochenende? - vorbei, als Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich für die neuen Die drei ???-Folgen (22), (23) und (24) vor Ort waren. Jedenfalls sprach Regnier neben Dracula auch den Chauffeur Bengt in Die drei ??? und die silberne Spinne und im Bobcast zu diesem Hörspiel erinnerte sich Andreas Fröhlich an die Begegnung mit Regnier, so daß die Bengt-Szenen wirklich im Ensemble entstanden sind.
Da Die drei ??? und die silberne Spinne am 13.05.1981 - wenige Wochen nach der ersten Gruselserie-Staffel - erschien und die Buchvorlage erst Anfang 1981 veröffentlicht worden war (Franciskowsky könnte für deren Adaption vom Verlag eine Vorstufe erhalten haben), sind Regniers Aufnahmen nicht allzu früh anzusetzen, vielleicht im Herbst 1980 oder später? Regnier müßte zudem vor Günther Ungeheuer im Studio gewesen sein (siehe unten). Und er war auf jeden Fall zu früh in der Agnesstraße, als daß Heikedine Körting ihn für ein Edgar Wallace-Hörspiel hätte gewinnen können - dies hätte sich nicht nur deshalb angeboten, weil für diese Serie etliche hochkarätige und prominente Schauspieler*innen wie Günther Ungeheuer, Wolfgang Kieling, Judy Winter, Friedrich Schütter, Horst Frank, Claus Wilcke, Pinkas Braun, Wolfgang Völz und Uwe Friedrichsen angefragt worden sind, sondern auch weil Regnier authentisches Edgar-Wallace-Flair verbreitet hätte, schließlich hatte er in zwei echten Verfilmungen (Der Fluch der gelben Schlange sowie Der schwarze Abt) und in einem epigonalen Machwerk (Der Würger vom Tower) mitgewirkt und Der schwarze Abt gehörte sogar zu den zwölf von EUROPA umgesetzten Romanen. Aber Regnier sprach darin nicht mit und er kam auch sonst nicht noch einmal vorbei.

• Günther Ungeheuer zählte wie Regnier zu den ganz großen Schauspielern, die im Münchner Raum lebten. In Hamburg hielt er sich vorzugsweise auf, wenn ihn ein Film- oder Fernsehprojekt rief (oftmals mit Regisseur Jürgen Roland hinter der Kamera), oder aber wenn ihn der Spielplan eines Tourneetheaters in die Hansestadt führte - letzteres war Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre höchstwahrscheinlich mehrmals der Fall. Es ist anzunehmen, daß er bei einer solchen Gelegenheit einen Abstecher in das Tonstudio EUROPA in der Hamburger Agnesstraße unternahm. Reinhilt Schneider wohnte in Hamburg und war schnell zur Stelle, um erneut die Rolle der Mina zu übernehmen. Schneider und Ungeheuer haben ohne Zweifel gemeinsam vor den Mikrofonen gesessen: dies ist den Aufnahmen eindeutig anzuhören bzw. legt dies eine Passage in der ersten Szene der zweiten Hälfte nahe, in der Ungeheuer versehentlich zu seinem nächsten Satz anhebt, obwohl Schneider ("Es geht.") noch nicht fertig ist.
Daß Günther Ungeheuer nach Charles Regnier im Studio gewesen sein wird, erklärt sich aus der naheliegenden Vermutung, daß Ungeheuer neben Jonathan Harker auch sämtliche Erzählertexte aller weiteren neu produzierten Hörspiele der ersten Gruselserie-Staffel eingesprochen haben dürfte. (Womöglich entschied sich Heikedine Körting während der Aufnahmen des Ich-Erzählers Jonathan Harker, Günther Ungeheuer vom Fleck weg auch als Erzähler aller weiteren neuen Hörspiele zu besetzen?) Draculas Insel, Kerker des Grauens muß zu dem Zeitpunkt also bereits fertig geschrieben oder zumindest weiter entwickelt gewesen sein, als dies noch bei Regniers Besuch der Fall gewesen zu sein scheint. Jonathan Harker und die Erzählertexte der Gruselserie - dabei dürfte es bei diesem ersten Besuch geblieben sein, denn Ungeheuer kam für die Edgar-Wallace-Hörspiele allem Anschein nach ebenfalls zu früh, sonst wäre Reinhilt Schneider ebenfalls für eine Rolle herangezogen worden, doch sie spielt in keinem Wallace-Hörspiel mit - im Gegensatz zu Ungeheuer, der seine ersten Rollen für diese neue Serie ebenso gut bei seinem zweiten Besuch eingesprochen haben kann. Auch für die Romanserie und seine übrigen Neben- und Kleinstrollen bei Perry Rhodan und in zwei Bestseller-Hörspielen war es bei weitem noch zu früh.

• Es ist wohl müßig, Überlegungen anzustellen, wer danach kam: die drei Vampirbräute oder die übrigen Nebenrollen? Katharina Brauren, Horst Stark, Ernst von Klipstein und Marianne Kehlau werden ihre Nebenrollen jedenfalls am Rande der Ensemble-Aufnahme zu Gräfin Dracula, Tochter des Bösen beigesteuert haben. (Nach Regnier und Schneider übernahm auch Brauren dieselbe Rolle wie im 1970er Hörspiel, nur eben in der fahrenden Kutsche.)

• Karin Lieneweg, Susanne Wulkow und Barbara Focke haben die drei Vampirbräute eingesprochen. Weil sie alle drei ebenfalls eine Rolle in Die drei ??? und die singende Schlange haben (Tante Mathilda, Hausmädchen Marie, Tante Patricia), muß beides an demselben Tag erledigt worden sein. Dies wurde beiläufig von Katrin und Andreas Fröhlich im Bobcast zu Die drei ??? und die singende Schlange bestätigt, denn beide erinnerten sich spontan, wie sie mit Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck kurz die Sprecherkabine verlassen mußten und vom Nebenraum aus die "Wahnsinns-Performance" der drei Kolleginnen bestaunten. Zwar folgte die singende Schlange in der Die drei ???-Serie direkt auf die silberne Spinne, doch Folge 25 gehörte zu einer anderen Staffel und erschien fünf Monate nach Folge 24. Vor allem deshalb ist davon auszugehen, daß die Vampirbräute erst Monate nach Graf Dracula - vegleichsweise spät - auf Band gebannt worden sind und daß mit ihnen die Aufnahmen zu Dracula, König der Vampire abgeschlossen waren.

   
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© Die Gruselseiten (1. Dezember 2023)