

Der Geist in der Schankstube
Vom Vorhause zur Linken gelangt man in die Zechstube, wo die Pfleger von Moosham Ausschank hielten.
Ein großes spitzgewölbtes Zimmer, in der Mitte mit einem großen gemauerten Pfeiler, welchen ein großer Schenkkasten mit Thüren umgibt. Ein schönes Stück Arbeit aus dem Holze der kostbaren Zirme.
In demselben in der Ecke ein hölzerner Verschlag für honorablere Gäste, in welchem auch die gestrengen Herren von Moosham zuweilen ihre Ruhestunden im Zechen zubrachten.
Daran ein geräumiges Gemach mit starker Vergitterung, es heißt das Spinnzimmer, in welchem einst die gefallenen ledigen Weibspersonen zur Sühne ihrer Vergehungen eingesperrt wurden, und durch Spinnen für den "Gestrengen" ihre schmale Kost abdienen mußten.
Daran befindet sich ein kleines Zimmer es war das Wartzimmer des Land- oder Gerichtsboten.
Die Schloßwärterin Susanna Winkler versicherte mich allen Ernstes, daß es hier in der Schenkstube und den anstoßenden Gemächern um Mitternacht gewaltig spuke; ein Geist mache die Runde, und poltere und rumore während der Geisterstunde. Wahrscheinlich sei es die arme Seele eines alten Ritters von Moosham, der auf Erlösung warte.
(Hätte mich gewundert: ein altes Schloß und keine Geistergeschichte)! Eine heitere Gesellschaft fand sich einmal mit dem Lungauer Männergesang-Verein in diesen Räumen ein; wir blieben über Mitternacht, - allein - der Geist fand es nicht rathsam uns zu beunruhigen. Ratten und Mäuse bewohnen zahlreich die Räume dieses alten Schlosses, und rumoren am liebsten zur Nachtzeit, wo sie vor ihren Verfolgern, den Menschen, Ruhe
haben.
Lungau. Historisch, ethnographisch und statistisch aus bisher unbenützten urkundlichen Quellen dargestellt von Ignaz von Kürsinger [...]. Mit artistischen Beigaben. Salzburg 1853, S. 438f.
Im uralten Ritterschlosse zu Moosham hat es früher ganz gewaltig gespukt. Die alte Schloßwärterin Susanna Winkler erzählte oft, daß in der Schenkstube (früher wurde hier Ausschank betrieben) und den anstoßenden Gemächern um Mitternacht ein gewaltiges Lärmen, ein Auf- und Zuschlagen der Türen und dergleichen zu hören sei; ein Geist mache die Runde und poltere und rumore während der Geisterstunde. Wahrscheinlich sei es die arme Seele eines alten Ritters von Moosham, die auf Erlösung warte.
Nach einer anderen mir zugekommenen Sage wurde früher hier oft eine schwarzgekleidete Frau gesehen, wie sie, durch das Schloß wandelnd, bald in diesem, bald in jenem Gemache weilte, dort herumhantierte und in den alten Kleiderschränken herumwühlte, als ob sie etwas suche. Sobald sich aber jemand nahte, verschwand sie alsogleich durch die nächste Tür. Man sagt, dies sei die alte Burgfrau und einstige Herrin dieses Schlosses gewesen, die verschiedener Ungerechtigkeiten halber, die sie sich habe zuschulden kommen lassen, nun so lange in diesem Schlosse bleiben müsse, bis diese abgebüßt seien.
Lungauer Volkssagen. Gesammelt und herausgegeben von Michael Dengg. Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage. Mauterndorf o.J. [1973 (?)], S. 113 (aktuelle Auflage hier erhältlich)
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© Die Gruselseiten (8. Mai 2024)