Schriftzug

 Fledermäuse 
"Wir werden Wochen brauchen, bis wir alles katalogisiert haben."
(Dr. Erich Jansing in "Die Begegnung mit der Mörder-Mumie")

 

Cover Cover
Die Begegnung mit der Mörder-Mumie (7)

Klappentext:
Ein Fluch der Pharaonen? Dr. Jansing, deutscher Archäologe, glaubt es nicht. Er dringt in das Grab der Pharaonen ein und öffnet den Sarkophag ... Geister der Wüste werden lebendig, Horden der Nacht jagen die Grabschänder, die sich über die Götter zu erheben wagten! Die Prophezeiung wird Wahrheit: Merikara, Schrecken der Wüste, entsteigt dem Grab und rächt den Frevel.
   
  Besetzung (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

ErzählerGünther Ungeheuer 
Heide JansingHeidi Schaffrath 
CallaghanJoachim Richert 
Dr. Erich JansingHannes Messemer 
MuhammadWolf Rahtjen[Wolfgang Rahtjen]
JussufGottfried Kramer 
Wächter---[Hans Meinhardt]
MumieHans Paetsch (?)[Klaus Klein]
PolizistPeter Kirchberger 
1. Mann an der OaseMichael von Rospatt[nicht aufgeführt]
2. Mann an der OaseGernot Endemann[nicht aufgeführt]
Frau an der OaseHeikedine Körting (?)[nicht aufgeführt]

   
  Produktionsnotizen (der Erstausgabe):
Hörspiel von H. G. Francis
Regie: Heikedine Körting
Musik und Effekte: Bert Brac
Eine Studio EUROPA-Produktion
Künstlerische Gesamtleitung: Dr. Beurmann
   
Zur Editionsgeschichte:
• Diese Folge ist bislang auf fünf verschiedenen Tonträgern sowie digital im Streaming bzw. als Download veröffentlicht worden; das Hörspiel liegt in vier unterschiedlichen Fassungen vor.

• Den Gruselseiten sind seit 1998 zwei Muster-LPs bzw. Probepressungen gemeldet worden, deren Label das handschriftlich notierte Datum des 26.03.1981 tragen.

??.04.1981LP115 688.8Fassung 1Ab 12 Jahre
??.04.1981MC515 688.2Fassung 1Ab 12 Jahre
??.??.1987MC516 436.2Fassung 2Ab 12 Jahre
01.09.1999CD74321 69734 2Fassung 3.1Ab 14 Jahre
01.09.1999MC74321 69734 4Fassung 3.2Ab 14 Jahre
21.04.2017digital Fassung 3.1 (?)Ab 14 Jahre

   
Zu den Fassungen:
• Bereits in der Fassung 2 wurden Carsten Bohns und Manfred Rürups Musikstücke nahezu gänzlich entfernt und überwiegend durch neue orchestrale Stücke ersetzt; aber auch andere - als zu spartanisch oder veraltet empfundene? - Musiken fielen weg; 1999 fügte man nur die neue Titelmelodie und einige wenige neue Musikakzente hinzu.

• In jener Szene, nachdem der erste Wächter Ali erschlagen worden ist, fehlt in Dr. Jansings Schlußsatz "Wenn wir den Jeep nehmen, erwischen wir den Kerl noch!" in der Fassung 2 das letzte Wort, ohne daß der Austausch der darauffolgenden Musik ein Grund dafür gewesen wäre, "noch" wegzuschneiden.

• Ähnlich wie mehrere Szenen von Folge 9 und 10 in ihren zweiten Fassungen 1987 durch Gefiepe und Gefauche ergänzt wurden, so erklingen auch in Die Mumie gelegentlich neue Toneffekte, um die ohnehin unheimliche Atmosphäre zu verstärken, erstmals beim ersten Auftritt Merikaras, aber auch bei der Attacke vor dem ausgeräumten Grab, dem Überfall der Reiter in der Oase sowie natürlich im Finale. Ein tiefer Brummton kündigt jeweils die Mumie an - es handelt sich um den verlangsamten Anfang des Musikstücks Hitman, das in mehreren Einspielungen existiert und in vielen Folgen der 1987er Neuausgabe zu hören ist (außerdem zieht der Mutant Salaün in der neuen Version von Dem Monster auf der blutigen Spur dieselbe langsam brummende Spur hinter sich her). In zwei Szenen wabert für einige Sekunden ein vermutlich ebenfalls via Synthesizer erzeugter Sound, als werde die Mumie von Ausläufern eines magischen Wüstensturms begleitet. Besonders markant sind vor allem zwei verschiedene, offenbar rückwärts abgespielte Aufnahmen zirpender Grillen oder ähnlich klingender Tiere, die neben den Auftritten der Mumie auch in die eine oder andere Szene hineingemischt worden sind.

• Die Fassungen 3.1 und 3.2 weichen wohl nur in der Hörspielmitte (Seitenwechsel der MC) geringfügig voneinander ab. Während auf der MC in Fassung 3.2 das mit dem verlangsamten Jenseits, Teil 2-Intro und dem langsam brummenden Hitman-Intro unterlegte, ebenfalls halb so schnelle Orchesterstück Die Monstermumie die erste Seite beendet (das 1987 dort noch hinzugefügte Ende des damaligen neuen Titelthemas Surprise Attack wurde 1999 entfernt) und zu Beginn der zweiten Seite in derselben Kombination wieder neu einsetzt, gestaltet sich dank dieser identischen Musikstücke der Übergang auf der CD in Fassung 3.1 nahtlos, indem das zu Beginn der zweiten Hälfte zuerst startende Jenseits, Teil 2-Intro in das vorzeitig ausgeblendete Ende der ersten Hälfte montiert worden ist und somit beides miteinander verbindet.

• Ob nach 1999 an dem Hörspiel erneut etwas verändert worden ist, ob es also z.B. im Streaming als Fassung 4 gilt, ist noch nicht systematisch überprüft worden; bislang wurden keine Bearbeitungen entdeckt.

   
Zur ersten Neuausgabe:
Die Begegnung mit der Mörder-Mumie gehört zu den zehn 1981/1982 neu veröffentlichten Hörspielen der Gruselserie, die in der ersten 1987er Neuausgabe in einer überarbeiteten Fassung und mit verkürztem Titel erschienen sind. Die Mumie war Folge 7.
   
Zur zweiten Neuausgabe (Die Rückkehr der Klassiker):
Die Begegnung mit der Mörder-Mumie wurde in der 1999/2000er Neuausgabe erneut wiederveröffentlicht. Verschiedene Auflagen - etwa mit einer nach 1999 erneut bearbeiteten Fassung - sind nicht bekannt.
   
Zum Cover:
• Die Illustration zu Die Begegnung mit der Mörder-Mumie zeigt in etwa jene Szene gegen Ende der ersten Hälfte des Hörspiels, in der Merikara in seine Grabkammer zurückkehrt und dabei von den Wächtern beschossen wird; sie ist offenbar im annähernd quadratischen Format entstanden. Für die LP wurde das Motiv nach links und rechts nicht so in die Länge gezogen, wie dies bei allen anderen Motiven der Gruselserie üblich war: auf dem Plattencover ist links und rechts nur ein wenig mehr vom Mauerwerk zu sehen bzw. ist rechts der linke Ellenbogen der Mumie vollständig und die Hieroglyphen unter dem linken Ellenbogen verschwinden nicht mehr im rechten Rand. Es wäre im Prinzip ein leichtes gewesen, links und rechts noch weitere Steine zu zeichnen, doch stattdessen beschnitt man - ein für alle Vinyl-Versionen der Gruselserie einzigartiger Vorgang - die Illustration am unteren und am oberen Rand: sie bekam das richtige Querformat, indem unten der Fußboden des Eingangs entfiel und Merika nur noch bis zu den Oberschenkeln abgebildet war, außerdem wurde die oberste Steinreihe der MC-Illustration abgetragen. Mit drei Steinreihen oberhalb des Grabkammer-Eingangs hätte die Illustration auf der LP ziemlich genau unter die zweite Zeile des Titels gepaßt. Doch irgendjemand muß auf die Idee gekommen sein, dieser Hörspiel-LP einen visuellen Gag zu gönnen: eine weitere Steinreihe wurde weggeschnitten - bis auf die obere Partie von Merikaras Kopf, der auf der LP nun, ansatzweise freigestellt, über den oberen Rand der Illustration hinausragt, so daß die Mumie in gewisser Weise ein Stück weit aus dem Bild herauszutreten scheint.

• Die Illustration der LP weist gegenüber der MC weitere Feinheiten auf; nur hier sind die Hieroglyphen unter Merikaras linker Hand zu sehen, weil sie auf der MC hinter dem "Ab 12 Jahre"-Balken verschwinden. Der im Grabkammereingang sichtbare Wüstenbereich zeigt auf der LP nicht nur mehr Details gegenüber der MC, sondern auch mehr Elemente: zum einen erscheint oberhalb des Mündungsfeuers des Gewehrs eine zusätzliche Wolke, zum anderen ziehen weiter oben drei statt zwei Wolken, die auch eine ganz andere Form haben (siehe unten). Die Einschußlöcher im Brustkorb und am rechten Oberschenkel haben auf der LP eine etwas andere Form als auf der MC.

• Die Unterschiede bei der Kolorierung der Illustrationen auf der LP und auf der MC sind im wahrsten Sinne des Wortes augenfällig: während Merikara auf der LP dunkle Augenhöhlen hat, glühen sie auf der MC weiß. Das zwischen Merikaras linkem Ellenbogen und seinem Rumpf sichtbare Stück des Mauerwerks ist auf der MC schwarz geblieben, auf der LP ist es so grün wie Merikara selbst - in beiden Fällen ist das falsch, weil die Mauer eigentlich violett hindurchscheinen müßte - dies ist wiederum ausschließlich auf dem LP-Vorschaubild auf der Rückseite der Fall.

Die Begegnung mit der Mörder-Mumie ist eines von vier Hörspielen, in deren Titeln ein Kompositum von einem Bindestrich zusammengehalten wird. Obwohl die Titel der Gruselserie natürlich mit derselben Schriftart gesetzt worden sind, sind die Bindestriche nicht einheitlich: während der Bindestrich im "Monster-Labor" unter dem Häkchen des r und damit in etwa auf halber Höhe der kleinen Buchstaben hängt (auch bei der "Todes-Ratte" und beim "Weltraum-Monster" ist das so), befindet er sich bei der "Mörder-Mumie" weiter oben, nämlich auf halber Höhe der Großbuchstaben.

• Für das Cover der ersten 1987er Neuausgabe beschränkte man sich auf den - gespiegelten - Kopf der Mumie als Brustportrait und setzte ihn vor eine schwarz-weiße futuristische Gitternetz-Landschaft mit einem stilisierten Gebirge, dessen Form hier und da an Pyramiden erinnert; der Nachthimmel zeigt - sicherlich zum Mißfallen Heide Jansings - keine funkelnden Sterne.

• Die 1999 veröffentlichten Tonträger basieren allesamt auf der Illustration der LP von 1981, so daß der Effekt des über den niedrigeren Rand der Illustration hinausragenden Mumienkopfes nun doch noch auf einem MC-Cover angewandt wird - hierfür wurde die Illustration links und vor allem rechts beschnitten, so daß die große Zeichnung des Gottes fehlt und Merikaras linker Arm praktisch verschwindet.

• Für die digitale Version im Streaming bzw. als Download wurde das CD-Cover von 1999 gewählt.

   
Gemälde Vorlagen:
• Die Illustration von Die Begegnung mit der Mörder-Mumie stützt sich offenbar auf die von verschiedenen Plakatmotiven für den britischen Hammer-Horrorfilm The Mummy (1959) übernommene Szene, in denen eine große Mumie von hinten angeschossen und von der Gewehrkugel durchbohrt wird, ohne daß sie sich dadurch beirren ließe. Die Mumie zeigt allerdings nicht dieselbe Körperhaltung; in ihrer Positur mitsamt den vielen, recht detailliert dargestellten (also akkurat abgezeichneten?) Binden könnte sie einer unbekannten Quelle entstammen. Allein ihre rechte Hand scheint neu gezeichnet worden zu sein, denn ihre Binden erscheinen nicht klar konturiert, außerdem ist die rechte Hand der Mumie kleiner als die linke Hand. Dabei müßte sie vielmehr größer sein, denn sie wurde so hinzugefügt, daß der überhaupt nicht sichtbare rechte Unterarm der Mumie zwangsläufig genau in die Richtung des Betrachters weisen muß (also unsichtbar zwischen Hand und Ellenbogen verschwindet) - dann aber müßte die rechte Hand dem Betrachter viel näher sein als die linke Hand. Wieso die Mumie eine neue rechte Hand bekam, wissen wir nicht, solange die Quelle verborgen bleibt. Entweder hat Hemator sie mitsamt dem rechten Unterarm abgeschnitten oder aber der rechte Unterarm der Mumienvorlage hätte nicht zum gewünschten Covermotiv gepaßt und womöglich den Eingang verdeckt - und so wählte man diesen Kniff?

• Die von innen dargestellte Mauer am Eingang zur Grabkammer könnte eigens für das Hörspielcover gezeichnet worden sein; die an der Wand an mehreren Stellen sichtbaren Hieroglyphen wären dann wohl irgendwo abgepaust worden - oder aber es handelt sich um Fantasiezeichen. Die Figur rechts oben scheint durchaus eine Gottheit darzustellen, nur welche?

• Ob die gesamte Wüsten-Szenerie mitsamt schießwütigem Wächter hinter dem Eingang frei gestaltet oder doch aus abgemalten Elementen zusammengesetzt wurde, ist unklar; eine auf der LP nahezu vollständig sichtbare Wolke ähnelt durchaus der dunklen Wolke am oberen Rand des Vollmonds bei Das Duell mit dem Vampir. Daß die hintere, kleinere Pyramide von zwei Palmen riesenhaft überragt wird, ist perspektivisch paradox.

• Der Aufbau des Motivs von Die Begegnung mit der Mörder-Mumie - im Vordergrund das Monster und links dahinter ein von einer Mauer umrahmter Eingang - ähnelt frappierend der Illustration von Gräfin Dracula, Tochter des Bösen.


Bilderzimmer / The Mummy (GB, 1959)

   
Zur Sprecherliste:
• Wenngleich sie häufiger in Aktion ist, so tritt die Mumie nur in zwei Szenen (in der Grabkammer und im Hotel) stimmlich in Erscheinung. "Klaus Klein" ist ein bei EUROPA häufig benutztes Pseudonym für verschiedene Sprecher, die vermutlich allesamt erst nach Drucklegung von Schallplattenhülle und MC-Einleger ausgewählt worden waren. Lange blieb der Mörder-Klaus ein Rätsel und letztlich ist es nach wie vor nicht klar, solange das Deckblatt des Skripts mit den Sprecherangaben unsichtbar bleibt, doch inzwischen wurde Hans Paetsch in die Runde geworfen und das könnte sehr wohl stimmen: vor allem in der Finalszene, sobald Merikara wütend wird, fühlt man sich unweigerlich an Ronald Frank erinnert.

• Auffallend ist die Übereinstimmung der Vornamen von Heide Jansing und ihrer Sprecherin. Womöglich setzte der Name der Forschertochter im Tonstudio den Impuls, sie mit Heidi Schaffrath zu besetzen?

• Muhammad hätte in der Sprecherliste auch seinen Nachnamen erhalten können, doch der wird nur einmal im ersten Erzählertext genannt und so kann - ähnlich wie bei Claudine - niemand sagen, wie er überhaupt geschrieben wird.

• Daß Hans Meinhardt i.e. Andreas Beurmann einen Wächter gesprochen haben soll, bezieht sich allem Anschein nach auf den ersten Ali und soll wohl kaschieren, daß es sich in Wahrheit um eine Schreikonserve handelt (siehe unten). Drei Kleinstrollen in der Oase werden gar nicht erst aufgeführt: zum einen Michael von Rospatt und Gernot Endemann, die sich an der Oase vor den Reitern in Sicherheit bringen ("Rettet euch! Allah sei uns gnädig!" bzw. "Die Reiter! Horos' Rächer! Schnell in die Häuser! Schnell!") und zum anderen wahrscheinlich Heikedine Körting als Augenzeugin, die - neben einem weiteren Endemann-Einzeiler ("Vorsicht! Sie fällt ja runter!") - auf Merikaras Sturz vom Balkon mit einem "Hilfe!"-Ruf reagiert.

• Der Hotelbesitzer Hamir ist ebenfalls eine Schreikonserve (siehe unten).

   
Schauplatz Schauplatz:
• Die Handlung von Die Begegnung mit der Mörder-Mumie beginnt "am Rande der ägyptischen Wüste" und setzt sich im Tal der Könige fort, wo die archäologischen Überreste außerhalb Merikaras Königsgrabes mit keiner Silbe beschrieben werden. Nachdem Merikara dem Sarkophag entstiegen ist, ziehen die Expeditionsteilnehmer*innen zu einer "Oase" um, "die etwa zehn Kilometer vom Tal der Könige entfernt" liegt; Ägyptens Hauptstadt Kairo wird insgesamt dreimal erwähnt, denn Dr. Jansings Funde sind für das Nationalmuseum bestimmt.

• Merikare (engl. oft Merikara) war ein altägyptischer Pharao gegen Ende der 10. Dynastie, der mit Merikara nur den Namen gemein hat, soweit die wenigen Überlieferungen überhaupt über ihn Auskunft geben. Selbst heutzutage im Internet sind Informationen spärlich gesät; 1980/1981 dürfte Merikare lediglich in randständigen ägyptologischen Fachaufsätzen in Erscheinung getreten sein. Wie hat H. G. Francis sich gerade diesen Namen ausgesucht? Er müßte sich eigentlich irgendeiner bestimmten Quelle bedient haben - welche mag das gewesen sein?

• Was Jussuf und Muhammad aus dem "Totenbuch" und aus dem "Buch der Weisen" rezitieren, ist allem Anschein nach nirgendwo in der ägyptischen Literatur zu finden. Hat H. G. Francis sich das selbst zusammengereimt? Ist der Wortlaut überhaupt in sich schlüssig? Wieso lassen die Götter einen leuchtenden Gott hinter sich? Was sind "Sprüche der Macht des Namen Geheimnis"? Und was ist das überhaupt für eine Satzkonstruktion?

   
Zur Musik:
• Das musikalische Inventar von Die Begegnung mit der Mörder-Mumie gleicht dem Inneren eines mit Beigaben vollgestellten Pharaonengrabs, in dem es prachtvolle Kostbarkeiten, allerlei wiederkehrende Motive und manchen Ramsch zu entdecken gibt - Folge 7 bietet eine dezent durcheinandergewürfelte Mischung. Die originale Fassung enthält fast ausschließlich früheste Werke aus Carsten Bohns Repertoire: Der Stahlelefant (teils in normaler, teils in halber Geschwindigkeit) und das ebenfalls verlangsamte Intro von Jenseits, Teil 2 fügen sich in die Atmosphäre ein, Frankenstein & Dracula, Teil 1 als Titelthema ebenfalls - das im April 1980 aufgenommene Guitarrero Come Down (Part 1) als Schlußmusik aber eher nicht. Manfred Rürups Musik aus »Sindbad« u.a., Nr. 4. Akzent und Musik aus »Sindbad« u.a., Nr. 2a sind beide für die 1978 veröffentlichte EUROPA-Hörspieltrilogie Sindbad der Seefahrer entstanden. Ähnlich spartanisch, fast unscheinbar wirken eine Synthesizer-Melodie (Orientalische Musik, Nr. 1b: Merikara, Variation B) und die Percussion-Klänge Der Hungerturm (beim Aufplatzen des Sargdeckels). Umso mehr Wucht entfaltet die in Die Begegnung mit der Mörder-Mumie verwendete Orchestermusik. Zwei Stücke stammen von alten Veröffentlichungen: während Song Of India der 101 Strings (East of Suez, 1959) als erste Musikblende äußerst markant plaziert wird, verpufft der langsame Paukenwirbel von Conquerors Of The Ages: Theme and Prelude (Edmund De Luca's Conquerors of the Ages, 1959) nach nur wenigen Sekunden. Herausragend ist das für die Gruselserie komponierte und vom London Philharmonic Orchestra eingespielte Stück Die Monstermumie; in insgesamt zehn Hörspielen der Serie taucht es auf, aber nur hier wurde es auf halbe Geschwindigkeit verlangsamt und (zusätzlich mit Carsten Bohns Jenseits, Teil 2-Intro) als Merikaras signature tune angelegt, auch in normaler Geschwindigkeit ist Die Monstermumie hier vertreten. Das zur gleichen Zeit aufgenommene Orchesterstück Nacht des Werwolfs erklingt ebenfalls, allerdings nur mit dem Anfang, der jeweils einmal Carsten Bohns Der Stahlelefant und der Synthesizer-Melodie Orientalische Musik, Nr. 1b: Merikara, Variation B untergemischt wurde.

• Die in der Neuausgabe von 1987 gleich siebenmal eingefügte Musik Beijing - Bombay - Cairo (nur das letzte, ägyptisch anmutende Drittel des Stücks) hätte durchaus wie Song Of India einer älteren 101 Strings-Platte entsprungen sein können, doch sie wurde 1986 oder 1987 von Wilford L. Holcombe wie auch das neue Titelthema und mehrere andere Stücke für die Neuausgabe der Gruselserie geschrieben und mit dem London Philharmonic Orchestra realisiert. Daß nicht wenige das überarbeitete Hörspiel Die Mumie der Originalfassung vorziehen, ist wohl zu weiten Teilen Beijing - Bombay - Cairo zu verdanken.

• In der 1987er Neuausgabe fällt während Dr. Jansings Gespräch mit dem Polizisten auf, wieviel Mühe man sich gab, selbst die leise im Hintergrund dudelnde und von Manfred Rürup stammende Musik Musik aus »Sindbad« u.a., Nr. 2a (neben Sindbad der Seefahrer auch aus Die drei ??? und die flüsternde Mumie bekannt) mithilfe der neuen Orchestermusik Beijing - Bombay - Cairo bis zur Unkenntlichkeit zu übertünchen, obwohl dies doch eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre. Möglicherweise war man sich im Tonstudio EUROPA zu diesem Zeitpunkt nicht sicher, ob Manfred Rürup oder Carsten Bohn Urheber der Sindbad-Musiken gewesen war? Demgegenüber hat das verlangsamte Intro von Carsten Bohns Jenseits, Teil 2 alle Überarbeitungen unbeschadet überstanden, wohl weil 1987 und 1999 niemand wußte, daß es von ihm stammt.

• Am Ende des Hörspiels werden die letzten Sekunden von Carsten Bohns Guitarrero Come Down (Part 1) einen Tick zu langsam ausgeblendet, so daß noch kurz der Einstieg des unmittelbar darauffolgenden Teils zu vernehmen ist.

Die Monstermumie ist auf Horror Pop Sounds als eines der wenigen Orchesterstücke dieses Soundtracks enthalten, allerdings in der verlangsamten, mit Jenseits, Teil 2 vermengten Fassung, zudem mit Mumiengemurmel und Geräuschen angereichert - letztlich sind es nur dreißig Sekunden, also das erste Viertel des gesamten Stücks.

   
Sonstiges:
• Die Hörspieltitel der Gruselserie waren nahezu allesamt nach einem recht formelhaften Prinzip gestaltet, das eigentlich nur zwei Variationen vorsah - entweder wurden die konkret benannten gruseligen Namen oder Begriffe durch einen mitunter reichlich aufgesetzt wirkenden Beinamen ergänzt ("die Blutfürsten", "König der Vampire", "Tochter des Bösen", "Kerker des Grauens") oder aber es wurde ein Begriff hinzugefügt, der das Aufeinandertreffen mit dem Schrecken umschreibt: "Der Angriff", "Das Duell", "Im Bann" und schließlich: "Die Begegnung". Es erstaunt ein wenig, daß ein derart nichtssagendes Wort den Mumien-Titel zum drittlängsten der gesamten Serie aufbläht und daß man sich wenig später in Folge 14 mit "Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf" eine Wiederholung leistete. Wäre eine Variante wie "Der Fluch der Mörder-Mumie" nicht weitaus passender gewesen?

• "Mörder-Mumie" wirkt als Bezeichnung des Monsters zumindest heutzutage unfreiwillig komisch. Während "Mords-" in der deutschen Sprache als emotional verstärkendes Präfix (im Sinne von groß) aus Komposita wie "Mordsspaß", "Mordsschrecken", "Mordsgeschrei", "Mordswut", "Mordsaufwand", "Mordshunger" oder bewundernd in "Mordskerl" nach wie vor geläufig ist und keine mörderische Bedeutung hat, war dem Präfix "Mörder-" eigentlich exakt dieselbe Funktion zueigen, weshalb beispielsweise Riesenmuscheln lange Zeit auch als Mördermuscheln bezeichnet wurden. Doch irgendwann in den 1980er Jahren rutschte das ins Grotesk-Komische ab, was spätestens Hape Kerkeling ab 1989 in seiner Fernsehshow Total Normal dank "Mörder-Duschhaube", "Mördernummer" und "Mörder-Gag" (vgl. "Killer Joke" u.a. bei Monty Phyton) eindrucksvoll belegte. Ob H. G. Francis bei der Konstruktion des Titels von dem in der "Geisterjäger John Sinclair"-Serie am 17.11.1980 erschienenen Romanheft "Die Mörder-Blumen" (124) beeinflußt wurde und ob er ausschließlich eine mordende Mumie im Sinn hatte oder ob er mit dem Präfix zugleich verdeutlichen wollte, wie riesig die Mumie war, ist ein Mordsgeheimnis ...

• Der erste Ali steht zwar als "Wächter" in der Sprecherliste, aber es ist wohl eine Schreikonserve, die vielleicht so stark bearbeitet wurde, daß sie ihrem Ursprung kaum noch zuzuordnen ist? Fest steht jedenfalls, daß dieser Schrei zwei Jahre später in der Eingangsszene des Edgar Wallace-Hörspiels Der schwarze Abt zu hören war, dort auch mit dem schallenden Lachen, das dem Schrei folgt und das in Die Begegnung mit der Mörder-Mumie mehr schlecht als recht ausgeblendet wird.

• Wenn Hamir, der Hotelbesitzer an der Oase, von den Reitern getötet wird, ertönt eine Schreikonserve, die aus dem Hörspiel "Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" stammt, welche 1970 auf der zweiten Seite der EUROPA-Märchenplatte "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" (E 285) veröffentlicht wurde. In diesem Grimmschen Märchen soll der äußerst nervenstarke Müllersohn Hans das "Gruseln lernen" und deshalb u.a. um Mitternacht im Kirchturm die Glocken läuten. Auf den steilen Stiegen begegnet er dem als Turmgeist verkleideten, von Volker Bogdan gesprochenen Küster, der zunächst gar schaurig heult, dann aber auf die amüsierten Fragen des sich gar nicht fürchtenden Hans nichts mehr zu antworten weiß, bis dieser ihn genervt die Treppe hinabstößt. Den langgezogenen Schrei dürfte Bogdan selbst gewimmert haben. Er wurde nicht erst in Die Begegnung mit der Mörder-Mumie, sondern bereits in Dracula trifft Frankenstein recycelt, wenn Dr. Finistra Hemator, dem Boten der Höllenhöhlen das Fürchten lehrt.

• Die Schritte der Mumie in der Grabkammer und später bei der Attacke auf James Callaghans und Heide Jansings Wagen sind die in unzähligen EUROPA-Hörspielen eingesetzten Schritte auf Stein, die auf der zweiten Geräuscheplatte aus dem Hause EUROPA, Geräusche in Stereo 2 - Stereo Sound Effects vertreten sind. Sie werden hier stets ebenso wie die darunter gemischte Musik Die Monstermumie in halber Geschwindigkeit abgespielt.

• Völlig im Nebel liegt hingegen die Herkunft des in beunruhigend unregelmäßigen Abständen wiederkehrenden Percussion-Akzents, der neben den langsamen Schritten, der langsamen Musik Die Monstermumie und dem langsamen Jenseits, Teil 2-Intro allen Auftritten Merikaras eine zusätzliche akustische Dramatik verleiht (in der zweiten Fassung, der Neuausgabe von 1987, kamen weitere Elemente hinzu, siehe oben). Letztlich ist nicht einmal sicher, ob hier wirklich Percussion-Instrumente im Spiel waren oder ob es sich um ein zweckentfremdetes und bearbeitetes Geräusch handelt - eine zufallende Tür vielleicht?

• Der ägyptische Gott Horus erscheint in der Aussprache einiger Beteiligten mitunter als "Horros", so daß "Horros' Reiter" den bei Geisterjäger John Sinclair galoppierenden "Horror-Reitern" doch recht nahe kommen. Gab es eine solche reitende Rächerhorde in der ägyptischen Mythologie? Oder boten womöglich die von den vier Reitern der Apokalypse hergeleiteten "Horror-Reiter" eine unmittelbare Inspiration und bogen sie bei H. G. Francis zur Gottheit Horus hin ab? Die Horror-Reiter erschienen erstmals am 27. März 1979 in Band 38 (Die Horror-Reiter) - etwas früh. Sie tauchten aber später am 16. Juni 1980 in Das letzte Duell (Band 102, das Finale der 100er Trilogie) erneut auf, wo John Sinclair während seines Kampfes mit dem Schwarzen Tod von der Lanze eines Horror-Reiters verletzt wird ...

• In welcher Zeit spielt Die Begegnung mit der Mörder-Mumie eigentlich? Die Handlung und die Dialoge bleiben diesbezüglich im Ungefähren - feststeht nur, daß die "erregendsten archäologischen Funde" im Tal der Könige einschließlich der Entdeckung des Grabs des Tutanchamun durch Howard Carter bereits stattgefunden haben müssen. Auch an der technischen Ausrüstung läßt sich so gut wie gar nichts ablesen - einzig und allein das Gefährt des wissenschaftlichen Teams wird näher als "Jeep" definiert, was die Handlung dann wohl frühestens in den 1950er Jahren verorten könnte. Oder hat Franciskowsky sich im Automobil vergriffen und wird hier eigentlich doch eine Geschichte in den 1920er Jahren erzählt?

• In dem von H. G. Francis verfaßten Masters of the Universe-Hörspiel Nacht über Castle Grayskull (16) steigt He-Man gemeinsam mit Man-at-Arms in den Wind Raider ein und liefert dabei dieselbe überflüssige Audiodeskription wie einst James Callaghan: "Ich übernehme das Steuer!" Witzigerweise setzt Man-at-Arms unmittelbar darauf "alle Systeme auf Go" ...

• In Die drei ??? - Im Bann des Voodoo zitiert Al Parkers Nachbarin Mrs Stevens - sicherlich mit Billigung des Autors André Minninger - Muhammads Stoßseufzer "Ihr Ungläubigen werdet nie begreifen!".

• Für den etwas ungewöhnlichen Nachnamen des Wissenschaftlers Erich Jansing finden sich wohl keine Vorbilder, aber James Callaghan war in Großbritannien ein bekannter Politiker der Labour Party, der ab 1964 drei wichtige Ministerposten innehatte und von 1976 an drei Jahre lang Premierminister von Großbritannien war, bis er bei den Unterhauswahlen im Mai 1979 Margaret Thatcher unterlag.

• Der US-amerikanische Horrorfilm Die Mumie (1931) mit Boris Karloff in der Hauptrolle wurde am 26. Januar 1980 im Bayerischen Fernsehen gezeigt. Da Spielfilme recht häufig in den verschiedenen dritten Programmen der ARD kursierten, wäre es durchaus denkbar, daß irgendwann danach eine Ausstrahlung auch im gemeinsamen Dritten Fernsehprogramm von NDR, Radio Bremen und Sender Freies Berlin erfolgt ist und H. G. Francis auf die Idee brachte, sich dieses Stoffes anzunehmen?

• Zwei andere Inspirationen sind mindestens ebenso naheliegend: Irgendwann im Jahre 1979 wird H. G. Francis das Buch Die drei ??? und der flüsternde Mumie in ein Hörspielskript umgesetzt haben (Folge 10 erschien am 1. März 1980). Und als Die Begegnung mit der Mörder-Mumie im Frühjahr 1981 erschien, tourte bereits seit mehr als einem Jahr eine aufsehenerregende Wanderausstellung mit vielen originalen Exponaten aus dem Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun - mitsamt seiner Totenmaske - durch Westdeutschland. Die Ausstellung war im Februar 1980 in Berlin gestartet und kam nach weiteren Stationen in Köln, München und Hannover Mitte Mai 1981 nach Hamburg ins Museum für Kunst und Gewerbe, wo sie bis Mitte Juli 1981 zu sehen war. Die Tutanchamun-Ausstellung erreichte ein Millionenpublikum, gilt bis heute als eine der meistbesuchten Kunstausstellungen in Deutschland und entfachte hierzulande eine neue Faszination für das alte Ägypten.

   
Serienproduktion im Hörspiel-Labor:
• Vieles wurde im Tonstudio EUROPA zeitgleich zu Die Begegnung mit der Mörder-Mumie produziert. Interessante Parallelen zeigen sich in diesen Hörspielen:
Gruselserie (3): Dracula, König der Vampire
Gruselserie (5): Der Angriff der Horrorameisen
Gruselserie (6): Das Duell mit dem Vampir
Gruselserie (8): Gräfin Dracula, Tochter des Bösen
Gruselserie (9): Im Bann der Monsterspinne
Gruselserie (10): Draculas Insel, Kerker des Grauens
EUROPA-Produktinformation "Gruselserie"

• Günther Ungeheuer wird an demselben Tag seiner Aufnahmen zu Dracula, König der Vampire auch die Erzählertexte für alle weiteren neu produzierten Hörspiele der ersten Gruselserie-Staffel (auch für Das Duell mit dem Vampir) eingesprochen haben.

• Die Folgen 7, 8, 9 und 10 hängen mit etlichen gemeinsamen Sprecherinnen und Sprechern produktionstechnisch eng zusammen. Während Gabi Libbach und Horst Stark in den beiden aufeinanderfolgenden Geschichten Gräfin Dracula, Tochter des Bösen und Im Bann der Monsterspinne das Protagonisten-Pärchen verkörpern, sind Die Begegnung mit der Mörder-Mumie und Draculas Insel, Kerker des Grauens durch eine weitgehend identische Besetzung eng miteinander verzahnt: Heidi Schaffrath spielt beide Male die Tochter des Gelehrten, Hannes Messemer verkörpert Dr. Jansing und Kapitän Humunk, Gottfried Kramer den alten Jussuf ebenso wie Kaufmann Hammand und Wolf Rahtjen gibt sich nicht nur als Muhammad, sondern auch als Doran eher unberechenbar. Michael von Rospatt, der in Folge 8 und 10 jeweils einen Seemann mimt, warnt in der Oase schreiend vor den Reitern des Horus, natürlich gemeinsam mit Peter Griest alias Gernot Endemann, der außerdem noch als Parkwache in Folge 9 aushalf. Zu Folge 9 ergeben sich weitere Parallelen, denn dort ist Gottfried Kramer der echte Dr. Wyman, Joachim Richerts Callaghan verdingt sich zu Beginn als Verkäufer in der Imbißstube und der Polizist Peter Kirchberger könnte im Labor der Affe gewesen sein.

• Zum Start der Gruselserie wurde am 02.04.1981 eine EUROPA-Produktinformation "Gruselserie" als Muster-MC gefertigt, auf der Peter Kirchberger den Text der für Händler gedruckten, die Gruselserie anpreisenden Ankündigung intoniert - es folgen Auszüge aus den zehn Hörspielen, jeweils eingeleitet durch Titel und Klappentext, vorgelesen von Gottfried Kramer. Kirchberger und Kramer waren natürlich öfters im Tonstudio EUROPA zu Gast, aber möglicherweise fand ihr kurzer Werbeeinsatz statt, nachdem sie ihre Rollen für Die Begegnung mit der Mörder-Mumie sowie (im Falle von Kramer) Im Bann der Monsterspinne und Draculas Insel, Kerker des Grauens eingesprochen hatten. Peter Kirchberger dürfte sich vor den wenigen Takes für die Gruselserie hauptsächlich seiner Rolle als Maus Egon in den drei Fortsetzungen des 1981 neuaufgelegten und zu einer Mini-Serie erweiterten Hörspiels Der schüchterne Löwe gewidmet haben, außerdem war er in zwei Folgen der parallel produzierten vierten Die drei ???-Hörspielstaffel dabei, in Folge 22 sprach er sogar ebenfalls einen Polizisten wie auch in Fünf Freunde 11.

• Falls sich Hans Paetsch hinter dem durchaus originellen, im Tonstudio EUROPA aber öfters bemühten Pseudonym Klaus Klein versteckt und mumienhaft murmelte, wäre dies für ihn (nach seinen Beteiligungen an den Vorläufer-Hörspielen, die als Folge 1 und 2 erneut erschienen) ein einmaliger Einsatz für die neu produzierten Hörspiele der Gruselserie gewesen. Zu jener Zeit könnte er im Studio gewesen sein, um weitere Erzählertexte für die 1980 neu gestartete Reihe Märchenparade und die beiden Hörspiele Leuchtturm-Josefine und Seemaus Josefine aufzunehmen.

• Daß Joachim Richert und Gottfried Kramer in jeweils drei Hörspielen der dritten Die drei ???-Hörspielstaffel mit von der Partie sind, hat nichts zu bedeuten; diese Rollen müssen früher aufgenommen worden sein, da die Die drei ???-Folgen 15-21 bereits Anfang Oktober 1980 auf den Markt gekommen waren. Joachim Richert und Gottfried Kramer wohnten wie Heidi Schaffrath, Wolf Rahtjen, Peter Kirchberger und Hans Paetsch in Hamburg und sie kamen öfters in der Agnesstraße vorbei.

• Wie auch bei weiteren Hörspielen der Gruselserie, so sind dem Autor in Die Begegnung mit der Mörder-Mumie gedoppelte Formulierungen ins Skript gerutscht, die ganz ähnlich in einer anderen Folge derselben Staffel zu hören sind und auf zeitnahe bzw. parallele Drehbuchproduktion hindeuten. James Callaghan und Angelo Menares tragen bei ihrer Konfrontation mit der steinschleudernden Mumie bzw. nach dem Unfall der Kutsche jeweils "nur eine Schramme" davon. Sowohl in Folge 7 als auch in Folge 10 wird die etwas begriffsstutzige Frage "Was für eine Aufgabe?" gestellt, hier von Heide Jansing, dort von Jim. Als zu Beginn Callaghan, Dr. Jansing und Tochter Heide dem durch die Wüste vor der Reiterhorde fliehenden Mann helfen wollen, versucht Muhammad das zu verhindern: "Die Jäger aus der Vergangenheit holen sich ihr Opfer. Ihr könnt nichts dagegen tun!" Mit diesem Einwand spiegelt er erstaunlich exakt einen Ausruf von Elenor Dark in Folge 10, nachdem die Schiffbrüchigen in der Hütte realisiert haben, daß Kapitän Humunks Kopf von einem Eindringling heimlich entwendet worden ist und daß sie trotz verschlossener Türen und Fenster wie auf dem Präsentierteller sitzen: "Wir sind verloren! Die bösen Mächte holen sich ihre Opfer, und wir können nichts dagegen tun!"

   
Schloßchronik Zur Chronologie:
Die Begegnung mit der Mörder-Mumie war eines von vier Hörspielen, die den ursprünglich im halben Dutzend geplanten Erstaufschlag der Gruselserie auf gleich zehn Folgen erweiterten; H. G. Francis mußte sich für diese erste Staffel neben einer neuen Adaption von Bram Stokers Dracula relativ zügig vier weitere Stoffe aus der Schreibmaschinen-Hauptschlagader saugen; seine Drehbücher wird er wohl irgendwann in der zweiten Jahreshälfte 1980 im Tonstudio EUROPA abgeliefert haben. Dort wurden die Folgen 7, 8, 9 und 10 - mehrere Übereinstimmungen bei den Sprecherinnen und Sprechern legen das nahe (siehe oben) - gleichzeitig und parallel zueinander produziert. Dies kann 1980 bereits begonnen und im Extremfall theoretisch noch bis in den März 1981 hinein gedauert haben. Der exakte Produktionsablauf der Folgen 3, 7, 8, 9 und 10 liegt im Dunkeln; wann genau die Sprachaufnahmen jeweils stattfanden, ist nicht klar.

• Hannes Messemer und Joachim Richert haben sicherlich gemeinsam aufgenommen, das wird vor allem in den ruhigen Momenten der ersten Szene in der Grabkammer deutlich; Heidi Schaffrath müßte eigentlich mit ihnen zusammen im Studio gewesen sein. Bei Wolf Rahtjen wäre es zumindest denkbar, auch wenn er wie Gottfried Kramer und Peter Kirchberger ebensogut hineingeschnitten worden sein könnte. Zwar veredeln etliche Geräusche die Atmosphäre feinsinnig im Hintergrund, doch generell hat man sich nicht allzu viel Mühe gegeben, die Akustik der Sprecherkabine so zu reduzieren, daß sich der Raumklang im Wüstensand verliert.

• Hannes Messemer war in München ansässig und kam für Die Begegnung mit der Mörder-Mumie und Draculas Insel, Kerker des Grauens erstmals im Tonstudio EUROPA vorbei. Sein zweiter Besuch in der Agnesstraße war zugleich der letzte und dürfte seinen drei Rollen für die Edgar Wallace-Folgen 9, 10 und 11 nebst einer Rolle in Perry Rhodan-Folge 5 und dem Erzähler in Eberhard Alexander-Burghs Rumpelmuck, der Poltergeist gegolten haben. Daß allein die Rollen des Dr. Jansing und des Kapitän Humunk Hannes Messemer irgendwann Ende 1980 / Anfang 1981 nach Hamburg führten, ist eher nicht anzunehmen, bestimmt gab es einen anderen Anlaß: sofern es ein Engagement war, kämen zuvörderst ein Hörspiel im NDR (nicht bekannt), eine Aufführung an einem Theater (nicht bekannt) oder Aufnahmen fürs Fernsehen in Betracht. In Messemers Filmografie finden sich 1980/1981 mehrere TV-Filme, die von in Hamburg angesiedelten Firmen produziert worden sind - natürlich käme es vornehmlich darauf an, ob die Dreharbeiten auch in Hamburg stattfanden. Für Kennwort Schmetterling (ZDF, 22.06.1981) und Collin (ARD, 06./09.12.1981) ist dies ungewiß - außer Zweifel steht dies bei der vierten Staffel der vom NDR im Studio Hamburg produzierten Krimiserie Sonderdezernat K1: Hannes Messemer übernahm in der 21. Folge Das masurische Handtuch eine Gastrolle. Diese am 7. Januar 1982 in der ARD erstmals gesendete Episode könnte der eigentliche Grund für seinen ersten und/oder zweiten Aufenthalt im Tonstudio EUROPA gewesen sein, je nachdem wann er vor der Kamera stand. Nun ist leider nicht genau bekannt, mit wie viel zeitlichem Vorlauf und an wie vielen Tagen eine Sonderdezernat K1-Folge im Kasten war, ob die fünf Folgen der vierten Staffel hintereinander oder wild durcheinander entstanden und ob Messemers Szenen für diesen Fernsehkrimi allesamt zügig gefilmt wurden. Zwei Außenszenen mit Messemer sind definitiv im Sommer 1981 entstanden: eine Terrassen-Szene im Grünen schließt Winter bzw. frühes Frühjahr kategorisch aus und die Eröffnungsszene, eine im Freien inszenierte Gartenparty, war so aufwendig, daß Studio Hamburg via Annonce im Hamburger Abendblatt Komparsen für zwei Nächte vom 24. bis zum 26. Juli 1981 suchte, woraus das Fernsehmagazin Funk Uhr Anfang 1982 einen zweiseitigen Artikel bastelte. In Das masurische Handtuch entsteht der Eindruck, manche Innenaufnahmen könnten zu derselben sommerlichen Zeit, andere wiederum Monate zuvor gedreht worden sein (zudem hängt einmal ein Plakat für die Hamburger "Traberwoche" im April 1981 an der Wand einer Wohnung, während zwei im Polizeirevier sichtbare Wandkalender eindeutig den 19. August 1981 anzeigen). Falls die Produktion der vierten Sonderdezernat K1-Staffel sich also über mehrere Monate erstreckte, könnte Hannes Messemer gleichsam im Abstand mehrerer Monate für die Dreharbeiten zweimal nach Hamburg gekommen sein - und in diesem Fall könnte Das masurische Handtuch sogar beide Termine Messemers im Tonstudio EUROPA ermöglicht haben: einmal irgendwann vor Ende März und einmal im Juli 1981 - dann käme Das masurische Handtuch als Parallelproduktion zur Gruselserie tatsächlich in Betracht. (Für die Aufnahmen von Edgar Wallace und Perry Rhodan erscheint Sommer 1981 allerdings ziemlich früh, gleichwohl läuft zu Beginn der Gartenparty-Szene ein gewisser Horst Naumann mehrmals durchs Bild ...)

• An die Fertigstellung von Die Begegnung mit der Mörder-Mumie ist ein denkwürdiger Moment in der Geschichte des Tonstudios EUROPA gekoppelt, denn gerade als Heikedine Körting hinter ihrem Mischpult an der Agnesstraße eine Szene dieses Hörspiels fertigstellte, bekam sie Besuch des fünfzehnjährigen André Minninger: er hatte sich als nicht mehr ganz so junger Hörspielfan bereits mehrmals um Kontaktaufnahme bemüht und Heikedine Körting so lange in den Ohren gelegen, bis er sich an jenem Tag als Nachwuchstalent in der Sprecherkabine beweisen durfte. Jahrzehnte später erinnert er sich gelegentlich in Interviews daran, wie er das Tonstudio erstmals betrat, während über die Lautsprecher Merikara in seine Grabkammer stapfte - und wie er beim Vorsprechen scheiterte, aber dann doch andere Arbeiten übernehmen konnte und den Einstieg geschafft hatte. In C. R. Rodenwalds Biografie Heikedine Körting. Die Königin der Hörspiele ist von einem "Freitagnachmittag im März 1981" (S. 160) die Rede - es wäre also spätestens der 20. März 1981 gewesen, schließlich war Die Begegnung mit der Mörder-Mumie eine Woche später bereits durch das Preßwerk in Quickborn gewandert. Allerdings schreibt Rodenwald in diesem Zusammenhang, Minninger sei ein "16 Jahre alter Junge" gewesen, was schlichtweg falsch ist - und wenn das nicht stimmt, muß es auch kein Freitagnachmittag gewesen sein und vielleicht sind noch weitere Details dieser Anekdote auf Sand gebaut ...

   
Fehler:
 

Fehler / Die Begegnung mit der Mörder-Mumie
   
Kommentare:
 

Kommentare / Die Begegnung mit der Mörder-Mumie
   
Gruselalmanach:
 

Gruselalmanach / Ali und Ali
Gruselalmanach / Bakschisch
Gruselalmanach / Callaghan, James
Gruselalmanach / Hamir
Gruselalmanach / Jansing, Heide
Gruselalmanach / Jussuf, der alte
Gruselalmanach / Merikara
   
 


 

© Die Gruselseiten (15. Januar 2026)